Altenburg: Der Kamin im Kirchturm

Im frühen Mittelalter bedeutend

Altenburgs Wurzeln reichen schon bis in das Frühmittelalter zurück. Im Jahr 961 bestätigt König Otto II. dem Kloster Frose die von Markgraf Gero gestifteten Besitzungen, darunter auch eine Pfarrkirche in „Alneburg“[1]CDA I, Nr. 35. Die Ortsnamenkunde sieht im Namen Altenburg nicht das Gegenstück zu Nien(Neuen)burg, sondern eine Bildung aus „Analingaburg“, also einer „Burg der Nachkommen des Analo“[2](Freydank 1966, S. 16).

Der von Hansjürgen Brachmann für Altenburg angeführte „Einzelfund eines dem Prager Typ ähnlichen Gefäßes“[3](Brachmann 1978, S. 114) deutet darauf hin, dass sich Altenburg mitten in der thüringisch-slawischen Kontaktzone befand und sich hier schon in der Zeit der frühesten Siedlungsphase im 7. Jh. von der Elbe aus einwandernde Slawen niederließen.

Zum zweiten Mal tritt Altenburg in einer Urkunde auf, die auf eine bedeutende Besitzübertragung zwischen honorigen Beteiligten hinweist.

Aufgrund der Unfähigkeit seine Schulden gegenüber dem Kloster Nienburg in Höhe der recht ansehnlichen Summe von 100 Mark in Silber termingerecht zurück zu zahlen, übereignet der noch unmündige Markgraf von Meißen und der Lausitz, Heinrich II. von Eilenburg der Abtei im Jahr 1106, also im Alter von drei Jahren, sein Gut in „Analenburch“ mit einem Landbesitz von 62 Hufen[4]CDA I, Nr. 166, (Elpers 2003, S. 247) und (Claude 1975, S. 334).

Conventssiegel der Abtei Nienburg. Quelle: Heinemann, CDA 2 (1875) Tafel VIII-1

Conventssiegel der Abtei Nienburg. Quelle: Codex Diplomaticvs Anhaltinivs, Theil 2 hrsg. von Otto Heinemann; Dessau: Barth 1875, Tafel VIII-1

Offensichtlich gab es aber Probleme mit dem Herren der dem Gut benachbarten „Avelenborg“ bzw. „Anelenburgh“, denn von hier aus wurde 1130 der Nienburger „Neustadt“ durch gewalttätige Übergriffe geschadet[5]„anno 1130 Neapolis civitas ex Nienburg obsessa est a quodam tyranno Siegfrido” (Winter 1867, S. 115). Aus diesem Grund zerstörte Erzbischof Norbert gemeinsam mit Magdeburger Bürgern jene Befestigung[6]Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium Zeile 30, S. 413. http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_14_S._413, unter der man sich aber keine steinerne hochmittelalterliche Anlage, sondern eher eine Holz-Erde-Konstruktion vorstellen muss. Damit wird auch klar, dass der romanische Formen zeigende Wohnturm an der Dorfkirche nicht mit der 1130 bis auf den Erdboden zerstörten Burg identisch sein kann. Bei einer baubegleitenden archäologischen Untersuchung des Kirchplatzareals im Jahr 2000 wurden „wellenverzierte“ Scherben gefunden, die als hochmittelalterlich angesprochen wurden. Eine 6 Meter im Querschnitt messende Grube wurde als möglicher Teil eines Grabens gedeutet[7](Jarecki 2000, S. Blatt 76).

Die Zerstörung der Burg „Anelenburgh“ sorgte für einige Verwirrung in der historischen Forschung. Der Herausgeber des Codex diplomaticus Brandenburgensis, Adolph Friedrich Riedel, setzte das Ereignis in das Jahr 1131 und bezog es nicht auf Altenburg, sondern auf das ehemals brandenburgische Havelberg. Auf dieser Annahme wurden einigen Überlegungen zur Bauzeit des dortigen Domes angestellt, die beim Bezug auf Altenburg natürlich hinfällig werden[8](Hoffmann, S. 58–59) .

Betrachtet man die Gesamtsituation, wird deutlich, dass es sich bei „Analingaburg“ um einen bedeutenden Ort gehandelt haben muss. Die frühe Erwähnung, einer Pfarrkirche, das Vorhandensein eines wertvollen Wirtschaftshofes, der sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts in hochadliger Hand befand und die Nähe einer den Hof schützenden frühmittelalterlichen Burganlage weisen Altenburg als wichtigen frühmittelalterlichen Siedlungskomplex am Zusammenfluss von Bode, Fuhne und Saale aus.

Fußnoten

1 CDA I, Nr. 35
2 (Freydank 1966, S. 16)
3 (Brachmann 1978, S. 114)
4 CDA I, Nr. 166, (Elpers 2003, S. 247) und (Claude 1975, S. 334)
5 „anno 1130 Neapolis civitas ex Nienburg obsessa est a quodam tyranno Siegfrido” (Winter 1867, S. 115)
6 Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium Zeile 30, S. 413. http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_14_S._413
7 (Jarecki 2000, S. Blatt 76)
8 (Hoffmann, S. 58–59)