MZ-Artikel vom 18.06.2011 – Günstiger Wohnraum für junge Leute

Günstiger Wohnraum für junge Leute

FORUM Mitglieder der Jungen Union und Olaf Böhlk diskutieren über Studentenviertel in der Bernburger “Freiheit”.

VON FELIX FILKE

MZ
Sabrina Grey, Jenny Prast und Detlef Mannich (CDU) (v.l.) diskutieren. MZ-Foto: E. Pülicher

BERNBURG/MZ

– Es sind nur eine Hand voll junge Menschen, die am Mittwochabend den Weg in die Lindenhof-Gaststätte gefunden haben, um über die Möglichkeiten, Bernburg jugend- und studentenfreundlicher zu gestalten, zu diskutieren. Zu der Veranstaltung der Jungen Union hatte deren Kreisvorsitzende Jenny Prast – zugleich auch Landesvorsitzende der Schülerunion -eingeladen. “Wir haben heute starke Konkurrenz durch das Klosterfest”, hatte die Jungpolitikerin auch eine Erklärung für die geringe Beteiligung parat.

“Eine Szene gibt es nur in Strenzfeld, aber nicht in der Innenstadt.” Sabrina Grey, Junge Union

Hintergrund der Veranstaltung waren die von Kulturstiftungs-Mitarbeiter Olaf Böhlk geäußerten Ideen, in der “Bernburger Freiheit” ein Studenten- und Szeneviertel entstehen zu lassen (die MZ berichtete). So war er selbst denn auch anwesend und stellte seine Initiative “Bernburg braucht ein junges Herz” nochmals genauer vor. Für den Saalestädter ist die “Freiheit” als deren letzter verbliebener mittelalterlicher Straßenzug ein sehr bedeutender Teil der Stadt, der unbedingt erhalten werden muss. Das historische Quartier ist laut Böhlk ideal dazu geeignet, günstigen Wohnraum für junge Menschen zur Verfügung zu stellen. Zwar sind die Häuser in schlechtem baulichen Zustand, doch wären die verwinkelten Altbauten mit all ihren Ecken und Kanten noch am ehesten mit studentischem Wohnen vereinbar. Und die Alte Bibel wäre ein perfekter Rückzugsort in unmittelbarer Nähe. “Das Viertel hat viel Potential, das man nutzen muss”, konstatiert Böhlk.

Konkret stellt er sich vor, dort nicht nur Studenten, sondern auch andere Jugendliche anzusiedeln. Letztere könnten beispielsweise im Rahmen eines Sozialen Jahres oder Praktikums kostengünstig und für begrenzte Zeit dort Unterschlupf finden und dadurch der Stadt etwa ein Jahr länger erhalten bleiben, anstatt ihr für Berufsausbildung oder Studium den Rücken zu kehren. “Das wäre so etwas wie ein Auslandsjahr in der eigenen Stadt”. Dadurch hätte man beständig einen Pool von jungen Leuten, was günstig für die städtischen Sport- und Kulturvereine wie auch die hiesige Wirtschaft wäre.

Besonders am Herzen liegt Böhlk das Haus in der Langen Straße 1, in dem er sich den Aufbau eines “lebendigen Museums” vorstellen könnte. Stadtgeschichte könnte an diesem Ort erlebbar gemacht werden, indem Senioren als Zeitzeugen jungen Menschen Geschichte authentisch und lebhaft näher bringen. Seine Ideen versteht Böhlk in erster Linie als Anregungen für tiefer gehende Diskussionen: “Für mich ist es wichtig, demokratische Prozesse anzustoßen.” Deshalb sei es zentral, “viele Menschen mitzunehmen und einzubinden.”

Die wenigen anwesenden Mitglieder der Jungen Union zeigten sich durchaus interessiert am vorgestellten Projekt. Denn auch Sabrina Grey hat während ihres Studiums in der Saalestadt einiges vermisst. “Eine Szene gibt es nur in Strenzfeld, aber nicht in der Innenstadt.” So gebe es in den Kneipen noch nicht einmal Studentenpreise. Aus Gesprächen mit Kommilitonen weiß die 23-Jährige aus Peißen, die bis vor kurzem für drei Jahre an der Hochschule Anhalt Betriebswirtschaftslehre studiert hat, dass die niedrigen Semestergebühren das bei weitem stärkste Pro-Argument für den Standort Bernburg sind. Sie selbst fühlte sich jedenfalls in ihrer Zeit als Studentin hier nicht besonders gut aufgehoben. Schon allein die schlechten Busverbindungen zwischen Campus und Innenstadt seien ein Problem. Nicht wenige Studenten würden deshalb lieber von vornherein direkt in Strenzfeld wohnen.

Kreisvorsitzende Prast regte an, dass sich die Junge Union intensiver mit dem Projekt “Fokus Saale” -in dessen Rahmen in den kommenden Jahren einige Millionen an Fördergeldern in das Gebiet rund um Saalplatz, Markt und Krumbholzstraße fließen werden – beschäftigen wolle. Bei einer nächsten Sitzung sollen dann sowohl mehr Experten als auch Schüler und Studenten über die Idee des “Studentenviertels Freiheit” diskutieren.

Für Sitzungsteilnehmer Alexander Winterfeld steht bereits jetzt fest: “Das Gebiet dort unten eignet sich perfekt für studentisches Wohnen.” Und für Böhlk hat seine Idee des Studentenquartiers in der Freiheit neben der baulichen und sozio-kulturellen auch eine symbolische Bedeutung: “Dort entstand die Bergstadt und nun könnte das Viertel zur Zelle einer neuen Entwicklung werden.”