Bernburg und das Hochwasser – die Saaleflut 2013 – Teil II

Talstadt-lines-T2Einst verdankten die beiden Bernburger Talstädte dem Hochwasser ihre Entstehung. Auch wenn es immer wieder zu Katastrophen kam, bewährte sich über Jahrhunderte die Methode, die Stadt in einen Schiffsrumpf zu verwandeln und dem Wasser seinen Raum zu geben. In der DDR hielt man den Fluss für technisch besiegt und wagte sich mit Bauten in die Auen vor. Nun gibt es Zweifel, ob die aktuellen Plankennzahlen der Hochwassergefahr im historischen Maßstab gerecht werden. Aber gerade diese Plankennzahlen wurden benutzt, als es um die Konzeption der B6-Querung in Bernburg ging.

Talstadt-lines-T1 Zum 1. Teil des Artikels: “Eine Großkatastrophe in der “Informationsgesellschaft”

Hochwasserschutzkonzepte – eine unendliche Geschichte?

Die Bernburger Talstadt verdankt ihre Entstehung vermutlich dem Hochwasser der Saale. Im Hochmittelalter nahm die Zerstörungskraft von Hochwasserereignissen zu. Gründe dafür waren der Wandel des Klimas (Mittelalterliche Warmzeit) und die noch heute stattfindende Talaufhöhung mit Auenlehm, welcher von den hochgelegenen und nun von Wald befreiten landwirtschaftlichen Nutzflächen in das Saaletal geschlämmt wird.[1]

Der Mensch verändert das Saaletal

Nach Mensching, H. G. (1952). Die kulturgeographische Bedeutung der Auelehmbildung. - Verhandlungen des Deutschen Geographentages Frankfurt, 1951 (S. 195-197)
Nach Mensching, H. G. (1952). Die kulturgeographische Bedeutung der Auelehmbildung. –
Verhandlungen des Deutschen Geographentages Frankfurt, 1951 (S. 195-197)

Vor der hochmittelalterlichen Rodungskampagne vorhandene frühmittelalterliche Wege und Siedlungen in der Flussaue waren nun immer häufiger von Hochwassern betroffen. Als Reaktion wurden im Hochmittelalter wichtige Transportwege auf die Höhen verlagert und folgten nun den Wasserscheiden. Erst im 12. und 13. Jahrhundert übertraf das  Fuhrmannswesen in weiten Bereichen die Binnenschifferei in der Bedeutung für den Verkehr.[2]

Wo es sich nicht vermeiden ließ, mussten die Flusstäler dennoch überquert werden. Zum Schutz dieser nun immer wichtiger werdenden Flussübergänge vor Hochwassern wurden im ausgehenden 12. Jh. Talstädte planmäßig angelegt. Sie bildeten selbst eine Art Brücke und befestigten mit ihren Mauern und Gebäuden den Flussübergang. Nur ein so massiver Baukörper wie eine steinerne Stadt konnte den Hochwassern trotzen. Gleichzeitig lagen die Märkte der Talstädte direkt an “Verkehrskreuzungen” zwischen Wasser- und Landstraßen. Schwere Schüttgüter wurden hauptsächlich in flachbodigen Booten (bis in die Frühe Neuzeit oft Einbäume) und prahmähnlichen Fahrzeugen auf Wasserkanälen direkt in die Stadt transportiert.

Historische Saaleläufe in Bernburg

Für mehr als 700 Jahre bildeten nun die Ringdeichen ähnelnden Bernburger Stadtmauern den wichtigsten Schutz vor Flutwellen der Saale. Grabensysteme im Inneren des Mauerrundes dienten zur Senkung des Grundwasserstandes und zum Warentransport. Der die Stadt umgebende und durchquerende Stadtgraben erfüllte, neben der Sicherung vor Angreifern, einen ähnlichen Zweck.

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Aufsatz Franz Stieler: “Hochwasser im Jahre 1658 und Wiederaufbau der Bernburger Stadtmauer”, aus Bernburger Kalender 1956

Ein heute noch in Resten zu erkennender Saale-Altarm verlief über die Röße, Waldauer Flutbrücke und den Platz der Jugend, um in der Nähe des Nienburger Tores in die Saale zu münden. Dieser Flussarm diente vermutlich vor der Errichtung von Schleusen als Hauptweg für den Schifffahrtsverkehr, da er eine weiträumige Umfahrung der Mühle ermöglichte und somit nicht zum Strömungsverlust am Mühlenstau führte.

Rekonstruktion der möglichen Wasserführung im mittelalterlichen Bernburg.
Rekonstruktion der möglichen Wasserführung im mittelalterlichen Bernburg.

Erst in der Neuzeit und nach der Einführung von Motorschiffen wurden die Schlingen des Flusses beseitigt, der Saalelauf verkürzt und das Gefälle sowie die Strömungsgeschwindigkeit erhöht. In der Zeit als auf der Saale noch gesegelt und getreidelt wurde, war eine geringe Gegenströmung bei der Bergfahrt gewünscht, den längeren Weg nahm man dafür in Kauf[3].

Auch zwischen der Alt- und Neustadt, das heißt zwischen Klostergasse und Turmweg befand sich ein Saalearm, der zuletzt als Stadtgraben diente und vor seiner Verfüllung nach 1561 eine Breite von ca. 8m besaß [4].

Ursprünglich war dieser Saalearm sicher breiter, denn eine in 2,8 m unter dem heutigen Straßenniveau der Breiten Straße in Höhe des Grundstückes Nr. 102 liegende mittelalterliche Kulturschicht weist auf eine ausgeprägte Niederung hin. Alt- und Neustadt Bernburg lagen bei ihrer Gründung also auf zwei gegenüberliegenden Ufern eines Saalelaufes. Erst durch diesen Sachverhalt wird verständlich, warum sich überhaupt im Bernburger Saaletal zwei mittelalterliche Städte unabhängig voneinander entwickelten.

Der Ausschnitt aus dem Stich "Prospekt des Amtes Zehden" von Matthäus Merian zeigt die Auenlandschaft der Oder, Ähnlich dürfte es auch an der Saale ausgesehen haben, bevor sich durch menschliches Einwirken ein "Hauptstrom" herausbildete. (Aus: "Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae", Bildquelle: Wikipedia, public domain)
Der Ausschnitt aus dem Stich “Prospekt des Amtes Zehden” aus dem Jahr 1652 von Matthäus Merian zeigt die Auenlandschaft der Oder. Ähnlich dürfte es auch an der Saale ausgesehen haben, bevor sich durch menschliches Einwirken ein “Hauptstrom” herausbildete.
(Aus: “Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae”, Bildquelle: Wikipedia, public domain)

Von einem “Hauptarm” konnte im Hochmittelalter noch gar nicht gesprochen werden. Die Saale floss damals, wie viele Flüsse, in zahlreichen flachen Armen, die von Inseln, den sogenannten Werdern[5] geteilt wurden.[6] Erst durch die oben erwähnte Talaufhöhung und durch menschliche Einflüsse konzentrierte sich der Fluss in einem einzigen Hauptlauf, der im 19. und 20. Jahrhundert auch noch kanalartig eingefasst und begradigt wurde – und nun bei Hochwasser wie ein Rohr wirkt.

Der Fluss hatte Raum

Bernburgs mittelalterlicher Hochwasserschutz war möglich, weil die Stadt ursprünglich bei Hochwasser nur aus einer runden Insel (Neustadt) und einer Halbinsel (Altstadt) bestand, und dem Fluss zwischen diesen beiden Erhöhungen Raum blieb.

Auf einem der ältesten Bernburger Stadtpläne aus dem Jahr 1860 ist das talstädter Grabensystem, besonders nördlich der Stadt, noch gut erkennbar.


Situationsplan der Stadt Bernburg, Verlag W. Platt, Magdeburg 1860, Foto-Reproduktion: Museum Schloss Bernburg, Digitalisierung: Olaf Böhlk. Mit freundlicher Genehmigung des Museums Schloss Bernburg
Ausschnitt Hirtentor (Nienburger Tor) aus "Theatrum Europaeum" aus dem Jahr 1692. Gut zu erkennen sind die unterschiedlichen Gräben. Links der doppelte Stadtgraben und rechts der Umflutkanal. Das Areal liegt heute zwischen dem Nienburger Tor und der "Annenkreuzung".
Ausschnitt Hirtentor (Nienburger Tor) aus “Theatrum Europaeum” aus dem Jahr 1692. Gut zu erkennen sind die unterschiedlichen Gräben. Links der doppelte Stadtgraben und rechts der Umflutkanal. Das Areal liegt heute zwischen dem Nienburger Tor und der “Annenkreuzung”.
Zeichnung der  Schützenbrücke über den Umflutkanal vor dem Nienburger Tor um 1886 von L. Greiner aus "Bernburger Kalender" 1937 12. Jg. S. 9
Zeichnung der Schützenbrücke über den Umflutkanal vor dem Nienburger Tor vor 1886 von L. Greiner aus “Bernburger Kalender” 1937 12. Jg. S. 9

Dennoch wurden die Bernburger Talstädte immer wieder durch Hochwasser verwüstet. Diese wiederkehrenden Katastrophen fanden nicht nur den Eingang in schriftliche Quellen, sondern haben archäologisch auswertbare Spuren hinterlassen.

Profil-Breite-Straße

Als Folge der noch heute anhaltenden Auelehmablagerungen kommt es zur Verlandung von Nebenarmen und zur Konzentration auf einen Hauptlauf. Dieser kerbt sich tief in die lehmigen Aufhöhungen ein.

Vom Mühlgraben zum Saale-Hauptlauf

In Bernburg bestätigen archäologische Befunde die schon von der regionalhistorischen Forschung vorgebrachte Aussage, dass der heutige Saale-Hauptlauf zwischen Mühle und Annenbrücke erst ab dem Hochmittelalter und als Folge des Mühlenbaus entstanden ist, da dieser Lauf eine Flussterrasse durchschneidet, die bei der Herausbildung der Altstadt schon vorhanden war. Im Bereich der Fährgasse konnte folglich für den heutigen Saalelauf auch kein breites, natürliches Flussbett nachgewiesen werden. Ganz im Gegenteil weisen die Befunde dort auf ein äußerst steiles Ufer hin, welches die These eines Durchbruches stützt [7].

Bauarbeiten in der Fährgasse am 10.05.2012. Entgegen der sonstigen Situation in der Talstadt befindet sich der mittelalterliche Nutzhorizont (schwarzes Band über der dunkelbraunen Auenlehmschicht) in der Fährgasse fast auf dem heutigen Straßenniveau. Die sonst anzutreffenden Aufschüttungen finden sich hier nicht.
Bauarbeiten in der Fährgasse am 10.05.2012. Entgegen der sonstigen Situation in der Talstadt befindet sich der mittelalterliche Nutzhorizont (schwarzes Band über der dunkelbraunen Auenlehmschicht) in der Fährgasse fast auf dem heutigen Straßenniveau. Die sonst anzutreffenden Aufschüttungen finden sich hier nicht.

Es muss daher davon ausgegangen werden, dass sich der heutige Saalelauf als Folge einer Hochwasserkatastrophe herausgebildet hat, bei der die Mühleninsel teilweise überschwemmt wurde und der Strom die dortige Staustufe umging und sich einen direkten Weg vom Ober- in den Unterlauf schuf. Ein sich schon seit der Anlage der Mühle hier befindlicher Mühlengraben weitete sich in der Folge dieser Katastrophe durch Ausspülung zum heutigen Hauptlauf aus.

Nach diesem Durchbruch kerbte sich der neue Unterlauf durch seine nun starke Erosionskraft wieder bis auf den Boden des “alten” Saaletals ein, die Differenz zwischen Ober- und Unterpegel erhöhte sich deshalb um den Betrag der durch menschliches Wirken eingetragenen Auenlehmablagerungen von ursprünglich unter einem Meter [8] auf einen Betrag von heute maximal ca. 4 m bei Niedrigwasser [9].

Im Bernburger Krumbholz können verschiedene kleinere Mulden von Altarmen beobachtet werden. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass diese ehemaligen Flussarme nun mit Auelehm angefüllt sind, erscheint es doch so, als ob sie ursprünglich eher auf dem Höhenniveau des heutigen Oberpegels mit Wasser versorgt wurden. Dafür spricht auch ein Hinweis in der Schilderung des “Bernburger Heringskrieges” aus dem Jahr 1426, der andeutet, dass der Stadtgraben der Neustadt durch Ziehen eines Stauwerks geflutet werden konnte [10].

Eine Folge der Absenkung des Unterpegels dürfte auch die Entstehung des “Beckens” unterhalb des heutigen Wehres am Rosenhag sein. Dort wirken auch heute noch Erosionsprozesse. Das heutige Saalewehr “stützt” sich teils, wie wohl auch die Mühleninsel, auf natürliche Felsformationen, die eine Staustufe an dieser Stelle stabilisieren.

Der hier zu beobachtende 90 Grad “Knick” des Saalelaufes über das Wehr gegen den Rosenhag und weiter die Altstädter “Kaimauer” stellt somit einen Kompromiss aus menschlich beeinflussten und natürlichem Wirken des Flusses dar.

Bei einem starken Hochwasser wird genau diese künstlich begrenzte Durchflussstelle zum Nadelöhr.

Hochwasser heute: Eine interessante Berechnung zum Bernburger Oberpegel

In einer Wasserspiegellageberechnung des Leichtweiß-Instituts (LWI) der Technischen Universität Braunschweig heißt es als Erkenntnis aus dem Hochwasser von 1947: “Der für das HW 1947 angegebene Abfluss von 1100 m3/s entsprach den beobachteten Wasserständen (UW: NN +60,94 m; OW: NN +61,39 m). Die Lage dieses Punktes zu beiden erstellten Regressionsgeraden ließ den Schluss zu, dass 1947 ein großer Teil des Hochwassers durch die Schleuse abgeflossen sein musste. Es sollte im Hinblick auf die Sicherheit des Mühlen- und Schleusenkomplexes, durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden, dass ein Abfluss von 1100 m3/s auch bei den o.a. Wasserständen abgeführt werden kann. Bei geschlossener Schleuse würden sich Wasserstände einstellen, die auf über 63m [ü. NN] im Oberwasser liegen”.[11]

Bei der Wasserspiegellageberechnung ging das Leichtweiß-Institut davon aus, dass beim Hochwasser 1947 die Schleuse geöffnet wurde. In einer anderen Arbeit zum gleichen Thema wurde angenommen, dass 1947 ein Abfluss über eine alte Flutmulde im Oberlauf erfolgte[12].

Beobachtungen von Augenzeugen und die Berichterstattung in der Presse lassen aber den Schluss zu, dass 1947 erhebliche Wassermengen über die Röße abflossen. So heißt es in einem Artikel der Freiheit vom 17.03.1947 (Nummer 63, 2. Jahrgang): “Die Röße ist wieder zum reißenden Saalearm geworden, durch den sich die Wasser in eilendem Zuge in die Große Aue wälzen.

Bernburg: Wehr ist der Flaschenhals

Bei einem Pegel-Nullpunkt des Oberpegels bei 55,11m ü. NHN[13] entspräche ein möglicher für 1947 vom LWI errechneter absoluter Pegelstand von 63m [ü. NN] ca. einem relativen Pegelstand von 789 cm am Bernburger Oberpegel, wenn nicht die Möglichkeit zu einem alternativen Abfluss bestünde.

Die beim Hochwasser 2013 ermittelten Pegelstände am Oberpegel Bernburg stützen diese Annahme. Am 06.06.2013 wurde am Oberpegel ein Wert von 710 cm gemessen. [14]. Das entspricht einer absoluten Höhe von 62,21 m ü. NHN. Der derzeitige HQ100 Wasserstand an dieser Stelle (Km 36,250) beträgt 61,44 m ü. NHN.[15]

Durch die Berechnung wird deutlich, dass das Bernburger Wehr bei Extremhochwassern einen Rückstau erzeugt, der zur teilweisen Verlagerung des Hauptstromes der Saale führt. Wäre diese Möglichkeit nicht gegeben, wären Schleuse und Mühle durch Überströmung akut gefährdet.

Ein Bauzaun am Saaleufer oberhalb des Wehres zeigt die Höhe des Wasserstandes in diesem Bereich an. Treibgut kennzeichnet die Durchströmung in diesem Bereich. Hier führt der Rückstau des Wehres zu einer teilweisen Verlagerung des Stromes in den Altarm. Foto vom 21.06.2013.
Ein Bauzaun am Saaleufer oberhalb des Wehres zeigt die Höhe des Wasserstandes in diesem Bereich an. Treibgut kennzeichnet die Durchströmung in diesem Bereich. Hier führt der Rückstau des Wehres zu einer teilweisen Verlagerung des Stromes in den Altarm. Foto vom 21.06.2013.
Gegenüber dem Bauzaun zeigen weiträumige Ablagerungen von Treibgut im Zaun des Bernburger Tiergartens die Strömungstätigkeit in diesem Bereich an. Hier wird die Strömung vom Wehr in den Altarm gedrückt. Foto vom 30.06.2013.
Gegenüber dem Bauzaun zeigen weiträumige Ablagerungen von Treibgut im Zaun des Bernburger Tiergartens die Strömungstätigkeit in diesem Bereich an. Hier wird die Strömung vom Wehr in den Altarm gedrückt. Foto vom 30.06.2013.
Ein Teil des Stromes umging das Wehr und floss hier am Rosenhag vom Oberlauf direkt in den Unterlauf. Foto vom 30.06.2013.
Ein Teil des Stromes umging das Wehr und floss hier am Rosenhag vom Oberlauf direkt in den Unterlauf. Foto vom 30.06.2013.
Der andere Teil des Wassers durchströmte den Altarm und hinterließ Treibgut am Zaun der inzwischen beseitigten Gartenanlage am Waldauer Anger. Foto vom 11.07.2013.
Der andere Teil des Wassers durchströmte den Altarm und hinterließ Treibgut am Zaun der inzwischen beseitigten Gartenanlage am Waldauer Anger. Foto vom 11.07.2013.

Eindeichung? Keine Lösung!

Aus diesem Grund entfällt die Möglichkeit einer Eindeichung der Saale oberhalb des Wehres, da sich durch diese Maßnahme eine Erhöhung des Oberpegels bei Hochwasser ergeben würde, welche die Mühleninsel, die Schleuse und das Gebiet an der Fischergasse massiv gefährden würden.

Unklarheiten im Modell und trotzdem zentimetergenaue Aussagen bei der B6-Querung?

Laut dem hydrologischen Monatsbericht Juni 2013 des LHW Sachsen-Anhalt[16], wurde in Bernburg am 06.06.2013 am Unterpegel (!) ein Abfluss vom 940 m³/s ermittelt. Auf zahlreichen Videos von diesem Tag ist aber auch zu erkennen, dass es auch an der Flutbrücke und am Platz der Jugend zu einer deutlichen Strömung kam. Es kann also davon ausgegangen werden, dass der tatsächliche Abfluss beim Hochwasser 2013 höher war, als amtlich angegeben wird.

Wenn man den Wert von 940 m³/s in die auf S. 22 der Hochwasserschutzkonzeption für das Flussgebiet der Saale (2003) ersichtliche Schlüsselkurve der W-Q-Beziehungen für den Pegel Bernburg-UP einträgt, ergibt sich folgendes Bild.

W-Q-Beziehung-Bernburg-UP-2003-16Es wird ersichtlich, dass zumindest bezüglich bei der Anwendung der W-Q-Beziehung des Arbeitsstandes 2003 Unstimmigkeiten bestehen. Aber auch noch am 30.07.2013 bestanden diese Unstimmigkeiten weiter, weshalb der Pegel Bernburg nicht für eine Hochwassermeldung genutzt wird: Am Pegel Bernburg, zuständig das Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg zeigten sich im Rahmen der Untersuchungen hinsichtlich des Ansatzes der Hochwasserdurchflüsse im Bereich HQ 25 bis HHQ Unstimmigkeiten. Der Pegel Bernburg wird aufgrund dessen für eine Hochwassermeldung nicht herangezogen.[17]

Verwunderlich ist es vor diesem Hintergrund, dass diese Probleme im mathematischen Modell scheinbar bei der Berechnung der Auswirkungen des Rückstaus der Straßenquerung für die B6 keine Rolle spielten und hier sogar schon im Jahr 2001 eine zentimetergenaue Aussage möglich war: „Vom LHW wurde für die B6n mit der Querung der Saale und des Überschwemmungsgebietes ein Durchflussvolumen von 879 m³/s das entspricht einem HQ 200 gefordert. Die Forderung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, das Hochwasserverhalten durch hydraulische Modelle nachzuweisen, wurde vom Baulastträger bereits 2001 erfüllt. Im Ergebnis ergab die hydraulische Berechnung einen vernachlässigbaren Aufstau von 3 cm am Pegel Bernburg.“ [18]

Von Jahrhunderthochwassern und Statistiken

Wikipedia: Unter Jahrhundert-Hochwasser oder Jahrhundertflut (auch 100-jährlicher Abfluss, kurz HQ100 genannt) versteht man die Pegelhöhe oder Abflussmenge eines Gewässers, die im statistischen Mittel einmal alle 100 Jahre erreicht oder überschritten wird.[19]

Für die Berechnung der für Planungen wichtigen HQ 100 und HQ 200 Werte werden auch Messreihen der Abflüsse am jeweiligen Pegel berücksichtigt, dazu Werner Uhlmann: Am UP Bernburg werden Wasserstände seit 1883 beobachtet und die Abflüsse seit 1956. Somit erklärt sich die verwendete HQ(T) Reihe 1957-1994.[20]

Dieser Faktor wirkt sich natürlich auf den Realitätsgehalt derart ermittelter Werte aus, denn die Pegelstände der Hochwasser von 1957-1994 waren an der Saale relativ moderat ausgefallen. Diese lange anhaltende Phase der niedrigen Hochwasser erklärt auch die offensichtlichen Fehlleistungen sozialistischer Planer. Man glaubte, den Fluss nun technisch im Griff zu haben und sein Verhalten steuern zu können.

Dieser Glaube an technisch gesteuerte Flüsse ließ die Verantwortlichen waghalsig werden. Man “entdeckte” die Flussauen als scheinbar problemlos zu nutzendes Bauland. Einen wichtigen Startschuss bildete dabei die Errichtung der Freizeitanlagen auf der halleschen Peißnitzinsel aus Anlass der Arbeiterfestspiele 1967/68.[21]

Nach dem Vorbild Halles ließen die in ihrer Machtfülle eher Fürsten als Arbeiterführern gleichenden SED-Führungskader auch in der Stadt Bernburg ein Naherholungsgebiet aus dem Boden stampfen. Wie in Halle entstand dieses in der Flussaue der Saale – Hochwasser hatten nun, schon per Plan, einfach nicht mehr stattzufinden!

Die Nichtbeachtung des ersten größeren “gesteuerten” Hochwassers von 1947 in den Statistiken erklärt den recht niedrigen Wert von 879 m³/s für das HQ 200, während das Juni-Hochwasser 2013 einen Wert von 940 m³/s erreichte.

Zumindest will man das Ereignis von 2013 aber zukünftig in den Statistiken berücksichtigen: Die Hochwasserreihen werden demnächst vom SB Hydrologie angepasst und es erfolgt eine Verlängerung der Reihe bis 2013. Mit stark veränderten Durchflussmengen ist eine erneute Modellierung für die Saale ab Mündung Weiße Elster erforderlich.[22]

Tabelle: Historische Hochwasserstände umgerechnet auf den Pegel Halle-Trotha nach Aurada u. Rödel (2005), Widerspiegelung von Natur-, Technik- und Kulturgeschichte im Landschaftsbild des mitteldeutschen Raumes, S. 52

Erklärung: Spalte “Art” s-Sommerhochwasser, w-Winterhochwasser, (b)-speicherwirtschaftlich beeinflusst, (x)-von mir ergänzt

Pegel in cmDatumArt
9751585-08-10s
10151595-03-02w
9031601-12-26w
8891622-04-16w
8581655-02-02w
9981658-02-21w
9351661-08-08s
8431682-01-19w
8381709-12-05w
8961752-08-02s
9101757-08-07s
8811784-02-29w
10121799-02-23w
9351803-06-02s
9251830-02-27w
8231831-08-03s
9151845-02-13w
7451854-08-03s
7351865-04-09w
6751881-03-14w
10101890-11-24w
6501909-02-08w
7081947-03-15w (b)
6251948-02-13w (b)
5801954-07-13s (b)
6001961-06-13s (b)
5421970-04-23w (b)
5181979-03-19w (b)
5871980-04-30w (b)
5751981-03-14w (b)
5601987-03-31w (b)
6131988-04-04w (b)
6831994-04-16w (b)
6692003-01-06w (b)(x)
6902011-01-17w (b)(x)
8112013-06-05s (b)(x)

Vor dem Hintergrund der Pegelstände “echter” historischer Jahrhunderthochwasser der Saale nehmen sich die errechneten Werte geradezu beschaulich aus. Wer nun glaubt, dass Staudämme, Deiche und Polder Hochwasser-Katastrophen im historischen Maßstab der Saale verhindern können, der sei an die mahnenden Worte des Pressesprechers des Deutschen Wetterdienstes, Gerhard Lux, in einer Veranstaltung am 07.10.2013 erinnert, als dieser ausführte, dass es ja trotz der früher noch vorhandenen Überflutungsräume der unausgebauten Flüsse bei historischen Hochwasserereignissen zu weit höheren Pegelständen als bei der Katastrophe im Jahr 2013 kam. Ein Fingerzeig darauf, welche Wassermassen durch eine für Hochwasser oft verantwortliche Großwetterlage mit der Bezeichnung “Tief Mitteleuropa” vom Himmel fallen können. Lux führte auch aus, dass die Häufigkeit dieser Wetterlage in den letzten Jahrzehnten zunahm. Der Beweis, dass die Technik solche Wassermassen wie beim Hochwasser von 1890 steuern kann, wurde noch nicht erbracht. Die Ereignisse von 1947 und 2013 lassen daran Zweifel aufkommen.

Vor diesem Hintergrund kann die Aussage zur scheinbaren Folgenlosigkeit der Auswirkungen der Straßenquerung der B6 bei Extremhochwassern kaum beruhigen.

Was ist zu tun?

Bernburg hat das Hochwasser von 1890 wie auch andere Hochwasser-Katastrophen zuvor überstanden. Über hunderte Jahre feilte man in der Talstadt an der Verbesserung des Hochwasserschutzes. Eines wagte man aber nicht: man baute nicht in der Aue!

Das Konzept war seit Jahrhunderten, sich auf recht engem Raum mit massiven Aufschüttungen und Mauern gegen die Flut zu stemmen und das Wasser rechts und links möglichst ungehindert fließen zu lassen. Auf Wasser aus dem Boden, sogenanntes “Drängwasser”, musste man vorbereitet sein. Dafür, dass dieses wieder abfloss, sorgten Drainagegräben. Grundsätzlich kann man an diesem System nichts ändern. Und so schreibt auch Werner Uhlmann im Bezug auf den Hochwasserschutz für Bernburg: “Langfristig sollte an dem Ziel einer ausreichenden Durchströmung des Altarmes durch eine breite Mulde festgehalten werden (verantwortlich Stadt Bernburg).[23]

Man beachte, dass Uhlmann das Wort “Durchströmung” benutzt, hier ist also nicht von einem Polder die Rede!

Die Karten der kürzlich ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete zeigen sehr gut, wo diese “breite Mulde” in Bernburg liegen müsste. Wenn Bernburg also in Zukunft auf wirkliche Jahrhunderthochwasser vorbereitet sein will, muss mehr getan werden, als einige Kleingartenanlagen im Bereich des von Uhlmann erwähnten Altarmes zu beseitigen. Zu klären wäre die Frage, welche Objekte noch im Bereich des Altarmes liegen und dafür zu sorgen, dass diese dessen “Durchströmung” nicht mehr behindern.

Das Hochwasser 2013 war für uns Bernburger ein “Schuss vor den Bug”. Es gibt uns die Möglichkeit, besser zu erkennen, welche Risiken der Naturraum “Flussaue” bei seiner Besiedlung bereithält. Nun gilt es, die Fehlentscheidungen der letzten Jahrzehnte in schmerzlichen Einschnitten zu korrigieren oder bei einem “echten” Jahrhunderthochwasser einen katastrophalen Preis zu zahlen. Wann dieses Ereignis eintreten wird, ist noch nicht klar. Aber nicht nur aus statistischen Gründen wird ein neues  Jahrhunderthochwasser im historischen Maßstab immer wahrscheinlicher. Die dann möglichen Pegelstände könnten die des Junihochwassers 2013 bei weitem übertreffen![24]

Für Nachteinsätze werden Fackeln bereitgehalten: Auszüge aus der Tageszeitung “Freiheit” zum Hochwasser 1947 aus dem Bernburger Stadtarchiv

Die, 04.03.1947 (Nummer 52, 2. Jahrgang) (Datei: fb1947-0304-002-052-0204.JPG)

Rubrik: Zwischen Saale und Bode – Nachrichten aus dem Kreisen Bernburg, Calbe, Aschersleben, Ballenstedt und Quedlinburg

“Montag nachmittag versammelten sich die Bürgermeister und der Krisenrat des Kreises Bernburg, um über dringende Gegenwartsfragen zu beraten und die notwendigen Beschlüsse zu fassen.

Nach der Begrüßung wandte sich Landrat Schotte den dringenden Tagesfragen zu und eröffnete die Beratung über die Maßnahmen zur Bekämpfung der zu erwartenden Hochwasserwelle.

Kreisbaumeister Schröder wies auf die bereits erlassenen Anordnungen des Landrats hin und teilte mit, daß in den Orten, die von einer Überflutung bzw. Überschwemmung zuerst bedroht seien, trotz der Kälte schon alles Menschenmögliche getan worden sei. Der Kreis habe den in Güsten stationierten großen Schlauchwagen mit allen zusätzlichen Hilfsgeräten und auch Sandsäcken ausgestattet und halte ihn bereit, daß er auf telefonischen Alarmruf hin jederzeit eingesetzt werden könne. (Rufnummer 3541 bei Tage, Rufnummer 3437 bei Nacht, jeder Alarmruf als Unfallmeldegespräch). Für Nachteinsätze werden Fackeln bereitgehalten.

Besondere Sorge hege man um die Wippertalortschaften von Sandersleben über Drohndorf, Mehringen, Hecklingen, usw. bis Bernburg. Die Erfahrung lehre, daß man bei plötzlich einsetzendem Tauwetter mit Überflutungen innerhalb von vier Stunden zu rechnen habe. Die Wipper führe ihre Wasser innerhalb sieben Stunden bis zur Saale, wogegen die Bode etwa 72 Stunden dazu brauche. Die Spanne von 5 Stunden, die zwischen den beiden Komponenten liege, müsse deshalb voll ausgenutzt werden.

[…]

Landrat Schotte schloß die Debatte damit ab, daß er die Bürgermeister ermächtigte, die notwendigen Maßnahmen verstärkt durchzuführen, um den schlagartigen Einsatz aller verfügbaren Hilfskräfte zu sichern. Die Projekte der Wipper- und Boderegulierung sowie der Grabensysteme würden zukünftig entsprechend den Möglichkeiten vorangetrieben werden.”


Mi, 05.03.1947 (Nummer 53, 2. Jahrgang) (Datei: fb1947-0305-002-053-0208.JPG)

“Das Eis schmilzt – Auch der längste Winter muß einmal den jungen Frühling weichen. Die ersten Anzeichen sprechen bereits dafür, daß die Macht des Winters nun zu Ende geht. Dies zeigt uns auch in diesen Tagen besonders die Stärke und Tragfähigkeit der Eisdecke unserer Saale.

An vielen Stellen der bisher recht starken Eisdecke machen sich bereits die ersten Zersetzungen bemerkbar, so daß die Eisdecke der Saale nunmehr eine große Gefahrenquelle für jung und alt bildet. Größte Vorsicht ist daher geboten!

Um den Gefahren des Treibeises vorzubeugen, wird die Eisdecke bereits jetzt schon durch Sprengkommandos aufgerissen.[…] B.B.”


Mo, 17.03.1947 (Nummer 63, 2. Jahrgang) (Datei: fb1947-0317-002-063-0248.JPG)

Die Hochwasserkatastrophe auf dem Höhepunkt? Bernburger Annenbrücke für den Verkehr gerettet

[…]

So hat man sich in der Talstadt fast überall rechtzeitig dabei gemacht, die Keller soweit wie möglich auszuräumen und die sonst darin aufbewahrten Dinge in Sicherheit zu bringen. Die uralten und alten Leute haben ja manche Erfahrungen mit Hochwassern gemacht, und sie haben auch jetzt wieder mit Rat und Tat das Schlimmste überwinden geholfen.

[…]

Großartig war der Anblick der Wassermassen unterhalb des Schlosses. Mit starkem Gurgeln und oftmals bis zum Donnergrollen anschwellenden Getöse überstürmten sie in hohen Wogenwurf, dem sich gewaltig brausende Wirbel anschließen, die nur durch diese noch sichtbar werdende Wehrkante.

[…]

Die Röße ist wieder zum reißenden Saalearm geworden, durch den sich die Wasser in eilendem Zuge in die Große Aue wälzen.

Dank der Tätigkeit der Sprengtrupps der sowjetischen Pioniere, die ihren Wachstand auf dem überstehenden Teil der Marktbrücke haben und von dort aus den schwimmenden Eisschollen mit ihren zielsicher geworfenen Sprengladungen ihre Gefährlichkeit nehmen, ist es bisher gelungen, die bösesten Gefahren für die Annenbrücke zu bannen.

[…]

Von amtlicher Seite erfahren wir noch folgendes: Die Kreiskommandantur und der Oberbürgermeister der Stadt haben in gemeinsamer Arbeit alles getan, um die Annenbrücke gegen die Hochwassergefahren zu sichern und dieses wichtige Verbindungsglied dem Verkehr zu erhalten. Die Besatzungsmacht, die Polizei, die Feuerwehr und die Straßenmeisterei der Stadt haben sich in unermütlichen Einsatz bemüht, die Brücke zu retten.

[…]

Wasserstandsmeldungen

  • Sa, 12:00 Uhr 4,84 m
  • Sa, 23:30 Uhr 5,26 m
  • So, 07:30 Uhr 5,48 m
  • So, 23:30 Uhr 5,90 m
  • Mo, 07:30 Uhr 5,80 m
  • Mo, 13:30 Uhr 5,68 m

Staßfurter Stadtteile überflutet und abgeschnitten

In den Morgenstunden des Sonnabend brach über einige Stadtteile Staßfurts durch Überfluten der Liethedämme bei Güsten eine Hochwasserkatastrophe herein, wie sie selbst in der Chronik der Stadt Staßfurt nicht zu verzeichnen ist. In wenigen Stunden waren ganze Stadtteile vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

[…]

Schon am Freitagabend stieg durch das plötzliche Tauwetter die Wipper bei Warmsdorf und Angermünde, so daß Höchstgefahr für das gesamte Gebiet bestand, zumal die Entlastungsverbindung zwischen Wipper und Bode, die Liethe, durch Überströmen nicht vollaufnahmefähig war. Sofort nach dem Bekanntwerden des raschen Ansteigens wurde auch für das Staßfurter Gebiet Höchstalarm gegeben.

[…]

Feuerwehr, Polizei und Hilfstrupps sorgten um Mitternacht im zunächst bedrohten Salinenviertel in Staßfurt dafür, daß die Keller geräumt wurden, man hatte noch die Erinnerung an die Hochwasserkatastrophe vom Februar 1941 und folgte willig den Alarmmeldungen.

[…]

Das Wasser drückte weiter und lief von allen Seiten dem Kern der Stadt zu und bald darauf war auch das Gebiet um Rathaus, den Wendelitz und insbesondere der Holzmarkt, die Karl-Marx-Straße, die Ritterstraße gründlich unter Wasser gesetzt. Erst in den Nachmittagsstunden war der Höchststand erreicht, aber damit auch eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes.”


Mi, 19.03.1947 (Nummer 65, 2. Jahrgang) (Datei: fb1947-0319-002-065-0256.JPG

Vorbeugungsmaßnahmen des Kreises Bernburg bewähren sich

“Höchster Wasserstand seit 1882” so hieß es u.a. in einer Meldung,  die dem Kreisbauamt des Landkreises aus Nienburg gegeben wurde.

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Das sind zwei der zahlreichen Meldungen, wie sie fortlaufend beim Kreisbauamt eingehen. Von hier aus wurden in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern und örtlichen Feuerwehren seit Wochen jene vorbeugenden Maßnahmen eingeleitet, die jetzt in den Tagen der hereinbrechenden Wasserfluten ihre Bewährungsprobe bestehen müssen.

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Wir sagten schon, daß seit 1881 der höchste Pegelstand gemessen wurde. Er lag noch um 14 cm höher als im Jahre 1904. Trotzdem sind keine Schäden von irgendwelcher Bedeutung eingetreten, so daß die Umsicht aller Beteiligten wohl anzuerkennen ist.

Alle im Kreisgebiet durchgeführten Arbeiten wurden nach einem vom Kreisamt ausgearbeiteten Einsatzplan vorgenommen. Es waren etwa 1500 Mann, die in den gefährdeten Gebieten ihre ganze Kraft einsetzten, um der Fluten einigermaßen Herr zu werden.

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Wasserstadnsmeldungen Bernburger Unterpegel

  • Dienstag, 8 Uhr, 5,38 m
  • Mittwoch, 8 Uhr 5,14 m

Wie wir soeben noch erfuhren, ist heute vormittag das Wasser innerhalb von zwei Stunden um 2 cm gestiegen. Trotha meldete 44 cm Wuchs. Man rechnet daher in Bernburg mit dem Ansteigen der Saale in den Abendstunden um etwa 20 cm.

  1. [1]Böhlk, Olaf (2012): Warum entstand die Stadt Bernburg? Die Rolle der askanischen Stadtgründung an der Saale bei der Entstehung des späteren Landes Anhalt. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde 21, S. 109-134.
  2. [2]Freund, Stephan (2007): Flüsse und Flusstäler als Wirtschafts- und Kommunikationswege. Bonn: Selbstverl. ARKUM (Siedlungsforschung, 25) S. 173
  3. [3]Schultze-Gallera, Siegmar: Über Saale und Saaleschifffahrt im Mittelalter.
  4. [4]Reuter, Iris: Grabungsbericht Breite Straße 93-97 Dez 1995 – März 1996. Grabungsbericht D74/161. Bernburg 1999, S. 13 und Beschreibung Befund Nr. 62.
  5. [5]Ab dem 15. Jh. Bedeutungswandel des Wortes von Insel zu einem Stück Land in der Aue, Quelle Stieler: Das untere Saalegebiet Teil 1 S. 15
  6. [6]Ähnlich die Situation auch in Halle, siehe dazu: Günter Zinke, “Die historische Entwicklung der hydrographischen Bedingungen in der Stadtregion Halle” in “Halle und die Saale Verflechtungen der 1200-jährigen Stadt mit ihrem Umland durch Wasserwirtschaft und Bergbau sowie Folgeindustrien” (2011) S. 174
  7. [7]Schwarz, Andreas: Grabungsbericht Bernburg Fährgasse Blatt 543 G 2009/21 (2009/682). Bernburg (Saale) 2007, S. 2.
  8. [8]Träger, Ottomar (1969): Wassermühlen im unteren Saaletal. Beiträge zur Mühlenchronik an der unteren Saale: Die Wassermühlen Alsleben, Bernburg, Nienburg, Calbe. Bernburg: Vereinigte Mühlenwerke Saalemühlen. S. 21
  9. [9]Quelle:  HSI HYDRO ENGINEERING – Rohrturbinen an der Saale Link: Rohrturbinen an der Saale – HSI Hydro Engineering GmbH
  10. [10]Hermann: Die Zerbster Ratschronik. Neu hersg. von H. Wäschke. Dessau: Dünnhaupt 1907 S. 71-74. Text online: http://bernburger-heringskrieg.de/der-heringskrieg/
  11. [11]Wasserspiegellageberechnung im Bereich der Stadt Bernburg/Saale online: http://www.lwi.tu-bs.de/hywa/deutsch/forschung/auszuege/saale.html
  12. [12]Siehe: HSI HYDRO ENGINEERING GmbH, Rohrturbinen an der Saale http://www.hsi-hydro.com/cms/upload/publikationen/Rohrturbinen.pdf Abschnitt 3. Die Staustufe Bernburg
  13. [13]Stammdaten siehe: https://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=570900
  14. [14]Stammdaten siehe: https://www.pegelonline.wsv.de/gast/stammdaten?pegelnr=570900
  15. [15]Persönliche Mitteilung von Werner Uhlmann, Landesbetrieb f. Hochwasserschutz Sachsen-Anhalt vom 30.07.2013
  16. [16]http://www.hochwasservorhersage.sachsen-anhalt.de/dokumente/monatsberichte/R7115744_Monatsbericht_Juni_2013.pdf
  17. [17]Uhlmann 2013
  18. [18]Uhlmann 2013
  19. [19]http://de.wikipedia.org/wiki/Jahrhunderthochwasser
  20. [20]Uhlmann 2013
  21. [21]“Die größten Veränderungen erfolgten im Bereich der Peißnitz (760 ha) im Zuge der Vorbereitung der Arbeiterfestspiele 1967/68 durch großflächige Versiegelungen und den Bau von Freizeiteinrichtungen mitten im Hochwassergebiet.” aus Zinke (2011)
  22. [22]Uhlmann 2013
  23. [23]Uhlmann 2013
  24. [24]Siehe dazu die Veranstaltung am 07.10.2013 in Bernburg, siehe dazu beispielsweise auch die Studie “Klimawandel in Sachsen-Anhalt” (2013) S. 8, online unter: http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_Politik_und_Verwaltung/Bibliothek_LAU/Wir_ueber_uns/Publikationen/Berichte_des_LAU/Dateien/Berichte_LAU_2013_2.pdf