{"id":2443,"date":"2018-07-29T21:16:19","date_gmt":"2018-07-29T19:16:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/?p=2443"},"modified":"2018-07-29T21:49:12","modified_gmt":"2018-07-29T19:49:12","slug":"leserbrief-zum-thema-5-jahre-extremhochwasser-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/2018\/07\/29\/leserbrief-zum-thema-5-jahre-extremhochwasser-2013\/","title":{"rendered":"Leserbrief zum Thema &#8220;5 Jahre Extremhochwasser 2013&#8221;"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #008000;\">Dieser Leserbrief wurde von mir am\u00a004.07.2018 bei der Bernburger Lokalredaktion der MZ eingereicht. Nach mehrmaligen Nachfragen wurde der Text in einer ver\u00e4nderten Fassung im MZ-Lokalteil Bernburg vom 27.07.2018 auf S. 13 gedruckt. Hier der eingereichte Text in voller L\u00e4nge und ohne die K\u00fcrzungen der Redaktion.\u00a0<\/span><span style=\"color: #ff0000;\">Die Farbe Rot markiert die Streichungen der Reaktion.<\/span><!--more--><\/p>\n<hr \/>\n<p lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">F\u00fcnf Jahre nach der gro\u00dfen Flut 2013 erschienen mehrere Zeitungsartikel, die sich mit der Katastrophe und ihren Folgen besch\u00e4ftigten. Inzwischen sinkt das Hochwasser-Risiko- und Gefahrenbewusstsein \u2014 auch aufgrund extrem trockener Sommer \u2014 in der Bev\u00f6lkerung wieder ab. Eine im Jahr 2016 ver\u00f6ffentlichte Studie der Universit\u00e4t der Bundeswehr M\u00fcnchen besch\u00e4ftigt sich unter anderem auch mit den Bernburger Ereignissen im Jahr 2013. Sie zeigt auf, dass f\u00fcr Verdr\u00e4ngungsprozesse auch die Medien mitverantwortlich zeichnen, wenn mit Bezug auf 2013 Begriffe wie \u201eJahrhunderthochwasser\u201c oder gar \u201eJahrtausendhochwasser\u201c genutzt werden und man so suggeriert, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine Wiederholung des Extremhochwasserereignisses \u00e4u\u00dferst gering sei. Auch bei dem k\u00fcrzlich zu diesem Thema ver\u00f6ffentlichten Interview mit Henry Sch\u00fctze hie\u00df es in der MZ, dass es sich 2013 um die \u201eschwerste \u00dcberschwemmungskatastrophe seit vier Jahrhunderten\u201c gehandelt habe. <\/span><span lang=\"en-US\" style=\"color: #ff0000;\">Am 05.06.2013 erreichte der Wasserstand am Bernburger Richtpegel in Halle-Trotha den Wert von 8,10 m. Dieser Wert wurde dort in den letzten 400 Jahren 15 Mal \u00fcbertroffen, im Jahren 1799 und 1890 stand der Pegel hier sogar bei \u00fcber 10 m!<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">Im Gegensatz zur DDR, wo Gro\u00dfschadensereignisse als eine Form des \u201eStaatsversagens\u201c betrachtet und daher meist schnell unter den Tisch gekehrt wurden,<\/span><span lang=\"en-US\"> sollte zeitgem\u00e4\u00dfer Katastrophenschutz das Risiko- und Gefahrenbewusstsein in der Bev\u00f6lkerung aufrecht erhalten. Gerade in trockenen Sommern, wie dem gegenw\u00e4rtigen, w\u00e4re es daher notwendig, das Sandsackstapeln \u00f6ffentlichkeitswirksam zu \u00fcben. Wer einmal einen Vortrag des K\u00f6lner \u201eHochwasser-Papstes\u201c Reinhard Vogt erleben durfte, wei\u00df, wie wichtig j\u00e4hrliche Hochwasser\u00fcbungen mit der Bev\u00f6lkerung (!) sind und dass Spundw\u00e4nde und mobile Barrieren erst im Zusammenwirken mit dem aktiven nicht-baulichen Hochwasserschutz der Einwohner ihre volle Wirkung entfalten k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">Ob es intelligent ist, gerade dort D\u00e4mme und Mauern zu errichten, wo sich die hochwasserf\u00fchrende Saale im Jahr 2013 ein \u201eSicherheitsventil\u201c zur Umgehung der Bernburger Staustufe inklusive Schleuse geschaffen hatte, wird sich beim n\u00e4chsten Extremhochwasser zeigen. Gegenw\u00e4rtig spricht offenbar niemand mehr davon, der Saale wieder Raum zu geben, wie es der Leiter des Gesch\u00e4ftsbereichs \u201cGrundlagen, Planung und Bau\u201d beim Landesbetrieb f\u00fcr Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft, <\/span><span lang=\"en-US\">Herr Dr.<\/span><span lang=\"en-US\"> Hans-Werner Uhlmann, in einem Schreiben vom <\/span><span lang=\"en-US\">30.<\/span><span lang=\"en-US\">07.2013 einforderte, als er bez\u00fcglich der historischen Bernburger Saale-Umflut formulierte, dass: \u201eLangfristig an dem Ziel einer ausreichenden Durchstr\u00f6mung des Altarmes durch eine breite Mulde festgehalten werden soll\u201c.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">Im Jahr 2013 waren es vor allem junge Menschen, die mit ihrem unerm\u00fcdlichen Einsatz die Bernburger Talstadt retteten. W\u00e4hrend die beh\u00f6rdliche Kommunikation und Koordination an vielen Orten zusammenbrach, organisierten sich die freiwilligen Helfer \u00fcber soziale Netzwerke <\/span><span lang=\"en-US\" style=\"color: #ff0000;\">\u2014 wo von privaten Aktivisten im 24-Stunden-Dienst Hochwasser-Infoseiten und interaktive Google-Maps-Karten gepflegt wurden \u2014<\/span><span lang=\"en-US\"> weitgehend selbstst\u00e4ndig.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">Am Beispiel mangelhafter Informationen zur Hygiene beim Hilfseinsatz, zum Auspumpen von Kellern oder zu den Schulschlie\u00dfungen manifestierte sich im Jahr 2013 das Chaos im amtlich organisierten Katastrophenschutz. Die Naivit\u00e4t in den Worten: \u201ees ist nichts in Sicht, was zur Beunruhigung Anlass gibt\u201c, mit denen die zust\u00e4ndige Leiterin des Fachbereichs <\/span><span lang=\"en-US\">III<\/span><span lang=\"en-US\"> beim Salzlandkreis<\/span><span lang=\"en-US\">, <span style=\"color: #ff0000;\">Frau Reingard Stephan<\/span>,<\/span><span lang=\"en-US\"> in einem MZ-Artikel vom 28.05.2013 zum starken Anstieg des Hochwasserpegels in Bernburg zitiert wird, nachdem Fachleuten l\u00e4ngst klar war, <\/span><span lang=\"en-US\" style=\"color: #ff0000;\">dass eine Standard-Wetter-Situation f\u00fcr ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Extremhochwasser an der Saale bestand<\/span><span lang=\"en-US\">, das Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe am 27.05.2013 auf die Hochwassergefahr \u2014 auch f\u00fcr die Saale \u2014 hingewiesen hatte und in den Medien bereits am 25.05.2013 vor weiteren Starkniederschl\u00e4gen gewarnt wurde, macht ein \u201eSystemversagen\u201c deutlich.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span lang=\"en-US\">Dass der Salzlandkreis immer noch nicht \u00fcber <\/span><span lang=\"en-US\" style=\"color: #ff0000;\">den von Frau Stephan bereits f\u00fcr das Jahr 2014 angek\u00fcndigten einheitlichen<\/span><span lang=\"en-US\"> Gefahrenabwehrplan Hochwasser verf\u00fcgt, l\u00e4sst offenbar darauf schlie\u00dfen, dass es Verantwortlichen an unterschiedlichen Stellen in der Verwaltung erneut an Risiko- und Gefahrenbewusstsein mangelt. <\/span><span lang=\"en-US\" style=\"color: #ff0000;\">Die oben erw\u00e4hnte Studie kritisiert f\u00fcr das Jahr 2013 genau jene Konstellation, in der wir uns 5 Jahre nach der gro\u00dfen Flut anscheinend schon wieder befinden, wenn es dort hei\u00dft: \u201eDie Auswertung der qualitativen Fallstudien offenbart Defizite in der Informationspolitik w\u00e4hrend der akuten Hochwasserkatastrophe 2013, die in Kombination mit einem lediglich gering ausgepr\u00e4gten Risikobewusstsein bei den verantwortlichen Akteuren und Betroffenen dazu beigetragen haben, dass Sch\u00e4den entstanden sind, die sich als vermeidbar erwiesen.\u201c<\/span><\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Leserbrief wurde von mir am\u00a004.07.2018 bei der Bernburger Lokalredaktion der MZ eingereicht. 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