{"id":1287,"date":"2012-10-06T11:02:06","date_gmt":"2012-10-06T09:02:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/?p=1287"},"modified":"2013-12-02T18:53:52","modified_gmt":"2013-12-02T17:53:52","slug":"chance-fur-mehr-klarheit-vertan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/2012\/10\/06\/chance-fur-mehr-klarheit-vertan\/","title":{"rendered":"Chance f\u00fcr mehr Klarheit vertan"},"content":{"rendered":"<p><em>Leserbrief in der MZ-Ausgabe vom 06.10.2012 zum Artikel &#8220;Die C14-Methode&#8221;, MZ vom 29.09.2012<\/em><\/p>\n<figure style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.boehlk.eu\/mittelalterorte\/neue-archaologische-erkenntnisse-zum-bernburger-schlossberg-von-grosen-entdeckungen-und-grosen-verlusten\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  \" title=\"Undokumentierte Zerst\u00f6rung des Brandbefundes an der Aegidienkirche am 31.08.2011\" src=\"http:\/\/www.boehlk.eu\/mittelalterorte\/files\/2011\/11\/brandbefund-31.08.2011.jpg\" alt=\"Bagger zerst\u00f6rt arch\u00e4ologischen Befund in Bernburg\" width=\"280\" height=\"187\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Undokumentierte Zerst\u00f6rung des Brandbefundes an der Aegidienkirche am 31.08.2011<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eines steht nun fest: Wenn die Brandanburg jemals in Bernburg gestanden hat, wurden Teile ihrer Befestigung von den Bauarbeiten zum Campus Technicus erfasst.<\/p>\n<p>Die C14-Datierungen, deren Ergebnisse j\u00fcngst pr\u00e4sentiert wurden, weisen in einen Zeitraum, der auch das Datum der bekannten urkundlichen Erw\u00e4hnung im Jahr 961 abdeckt.<!--more--><\/p>\n<p>Letztendlich sind es aber nur zwei Knochen, jeweils aus den beiden zugesch\u00fctteten Burggr\u00e4ben stammend, an welchen sich die fr\u00fchesten Datierungen fest machen. \u00dcber die genauen Umst\u00e4nde, wie einer dieser wegen seiner aufw\u00e4ndigen Datierung nun bedeutenden Funde in den Graben an der Schlosskirche gelangte, kann niemand etwas aussagen.<\/p>\n<p>Wichtige Erdschichten, die diese Informationen vielleicht enthielten, wurden zerst\u00f6rt, als die Arch\u00e4ologen, gegen jede sonst \u00fcbliche Praxis, die Baustelle an der Aegidienkirche gerade zu jenem Zeitpunkt verlie\u00dfen, als sich die Bagger durch den v\u00f6llig unversehrt gebliebenen mittelalterlichen Unterbau des dortigen Friedhofes gruben und damit der spannendste Teil der &#8220;Zeitreise&#8221; am Campusbauplatz begann.<\/p>\n<p>Und nur kurze Zeit sp\u00e4ter zeigte sich dort dann auch der erwartete \u00e4u\u00dfere Burggraben, ohne dass irgendein Arch\u00e4ologe vor Ort davon Kenntnis nahm. Die MZ berichtete in ihrem Artikel &#8220;<a title=\"MZ-Artikel Auf der Suche nach der alten Brandanburg\" href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/archiv\/Auf-der-Suche-nach-der-alten-Brandanburg\/HC-09-01-2011-A33AB8EC-F1B9-4BA6-BD14-2C44F9.htm\" target=\"_blank\">Auf der Suche nach der alten Brandanburg<\/a>&#8221; vom 01. September 2011 genau von dieser Situation.<\/p>\n<p>Dann legten die Bauger\u00e4te eine weitere Sensation frei. Direkt am Graben, dort, wo sich einst der Wall befunden haben muss, zeigte eine umfangreiche rote Verf\u00e4rbung im Boden &#8211; eine sogenannte &#8220;Hitzer\u00f6tung&#8221; &#8211; an, dass hier ein recht ausgedehntes Geb\u00e4ude unter gro\u00dfer W\u00e4rmeentwicklung abgebrannt war.<\/p>\n<p>Erst nach einigen E-Mails mit Bildern an das Landesamt, Anrufen und mit mehreren Tagen Verz\u00f6gerung, an denen weiterer wichtiger Boden abgetragen wurde, kamen die Arch\u00e4ologen zur\u00fcck und versuchten nun, in einer &#8220;<a title=\"MZ-Artikel Im Wettlauf mit der Zeit\" href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/servlet\/ContentServer?pagename=ksta\/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1313175821544\" target=\"_blank\">Notbergung<\/a>&#8221; einige Befunde des fu\u00dfballplatzgro\u00dfen Areals zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Leider reichten die wenigen ihnen einger\u00e4umten Tage nicht einmal aus, den aus mehreren Teilen bestehenden Brandbefund vollst\u00e4ndig zu vermessen und zu untersuchen. Bald schon waren alle Zeitzeugen zerst\u00f6rt. Gl\u00fccklicherweise wurde auch eine Probe der Holzkohle des abgebrannten Geb\u00e4udes per C14-Methode datiert.<\/p>\n<p>Die Analyse erbrachte ein Ergebnis, welches Kenner der Bernburger Geschichte hellh\u00f6rig werden l\u00e4sst: Das Holz, welches dort verbrannte, wurde erst um oder nach dem Jahr 1000 geschlagen, und das Geb\u00e4ude also auch erst zu diesem Zeitpunkt oder sp\u00e4ter errichtet oder erweitert. Die bekannteste Bernburger Brandkatastrophe im Jahr 1138 liegt nur noch etwas mehr als 100 Jahre entfernt. War das durch Feuer zerst\u00f6rte Bauwerk an der Schlosskirche ein Teil der abgebrannten Burg Eilikas, der Mutter Albrecht des B\u00e4ren?<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Paul H\u00f6fer im Jahr 1907 erstmals Bernburg als Standort f\u00fcr die r\u00e4tselhafte Brandanburg ins Spiel brachte, warten die Forscher auf einen arch\u00e4ologischen Beweis seiner These. P\u00fcnktlich zur 1050-Jahrfeier unserer Stadt war es dann endlich so weit: Eine fr\u00fchmittelalterliche Burg wurde gefunden, aber kaum ein Einwohner nahm davon Kenntnis und keine F\u00fchrung erl\u00e4uterte den Jahrhundertfund. W\u00e4hrend nur wenige Meter weiter der B\u00fcrgermeister am 29. Mai 2011 im Kaiser Otto-Kost\u00fcm den Vorbeimarsch seiner B\u00fcrger huldvoll bel\u00e4chelte, machten nun die Bagger mit der realen Geschichte kurzen Prozess. Nicht einmal die Zeit f\u00fcr eine ordentliche Dokumentation wurde einger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Im Gegenteil, der Leiter im Hochbauamt des Salzlandkreises, Manfred G\u00e4rtner, machte die Arch\u00e4ologen laut einem <a title=\"MZ-Artikel Nur \u00abS\u00fcd-Ost\u00bb anstatt besten Lernbedingungen\" href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/servlet\/ContentServer?pagename=ksta\/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1321007830810\" target=\"_blank\">MZ-Artikel vom 25. November 2011<\/a> sogar f\u00fcr die Verz\u00f6gerung der Campus-Er\u00f6ffnung um mehr als ein Jahr mitverantwortlich. Warum keiner von den Denkmalsch\u00fctzern, denen doch sonst so viel an jeder Fassade, T\u00fcrklinke und Dachgaube gelegen ist, f\u00fcr den Schutz der mutma\u00dflichen Brandanburg sorgte, wird wohl ein Geheimnis bleiben.<\/p>\n<p>Olaf B\u00f6hlk, Bernburg<\/p>\n<h2>Mehr zum Thema<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Blogbeitrag:<\/strong>\u00a0<a title=\"Neue arch\u00e4ologische Erkenntnisse zum Bernburger Schlossberg: Von gro\u00dfen Entdeckungen und gro\u00dfen Verlusten\" href=\"http:\/\/www.boehlk.eu\/mittelalterorte\/neue-archaologische-erkenntnisse-zum-bernburger-schlossberg-von-grosen-entdeckungen-und-grosen-verlusten\/\" target=\"_blank\">Neue arch\u00e4ologische Erkenntnisse zum Bernburger Schlossberg: Von gro\u00dfen Entdeckungen und gro\u00dfen Verlusten<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leserbrief in der MZ-Ausgabe vom 06.10.2012 zum Artikel &#8220;Die C14-Methode&#8221;, MZ vom 29.09.2012 Eines steht nun fest: Wenn die Brandanburg jemals in Bernburg gestanden hat, wurden Teile ihrer Befestigung von den Bauarbeiten zum Campus Technicus erfasst. 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