{"id":537,"date":"2011-06-24T12:02:26","date_gmt":"2011-06-24T10:02:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/?page_id=537"},"modified":"2011-06-24T12:29:44","modified_gmt":"2011-06-24T10:29:44","slug":"warum-%e2%80%9evergammelt%e2%80%9c-unser-haus-in-der-theaterstrase","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/warum-%e2%80%9evergammelt%e2%80%9c-unser-haus-in-der-theaterstrase\/","title":{"rendered":"Warum \u201evergammelt\u201c unser Haus in der Theaterstra\u00dfe?"},"content":{"rendered":"<h1>Warum \u201evergammelt\u201c unser Haus in der Theaterstra\u00dfe?<\/h1>\n<figure id=\"attachment_542\" aria-describedby=\"caption-attachment-542\" style=\"width: 211px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/data.music-a-vera.net\/boehlk-blog-konzept-doku-theaterstrasse11\/theaterstrasse.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-542\" title=\"theaterstrasse-deckblatt\" src=\"http:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/files\/2011\/06\/theaterstrasse-deckblatt-211x300.jpg\" alt=\"Deckblatt Dokumentation zum Geb\u00e4ude\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/files\/2011\/06\/theaterstrasse-deckblatt-211x300.jpg 211w, https:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/files\/2011\/06\/theaterstrasse-deckblatt-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.boehlk.eu\/bernburger-freiheit\/files\/2011\/06\/theaterstrasse-deckblatt.jpg 282w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-542\" class=\"wp-caption-text\">Dokumentation zum Geb\u00e4ude Theaterstra\u00dfe 11<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf der Stadtratssitzung am 23.06.2011 spielte der Zustand unseres Wohnhauses in der Theaterstra\u00dfe 11 eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als der demographische Wandel.<\/p>\n<p>Da in unser Haus \u00f6ffentliche F\u00f6rdermittel geflossen sind, finde ich nat\u00fcrlich das Interesse der Politiker an dem Objekt durchaus verst\u00e4ndlich. Bei dem Geb\u00e4ude handelt es sich immerhin um ein bedeutendes Einzeldenkmal.<\/p>\n<p>Meine Frau und ich, sowie mein Sohn leben zurzeit in zwei Zimmern zur Untermiete bei meiner Mutter im Saalweg. Zus\u00e4tzlich haben wir f\u00fcr unsere Selbst\u00e4ndigkeit Unterrichtsr\u00e4ume im Schloss Bernburg angemietet. Geplant ist es, unseren Wohn- und Arbeitsraum in unser Haus in der Theaterstra\u00dfe zu verlegen.<\/p>\n<p>Meine Frau, in Bernburg geboren, aber als Nachfahrin sudentendeutscher Fl\u00fcchtlinge hier immer noch nicht v\u00f6llig kulturell beheimatet, wollte nach ihrem Studium in Leipzig eigentlich nicht nach Bernburg zur\u00fcckkommen.<\/p>\n<p>Da ich aber meine Stadt Bernburg wirklich liebe, habe ich sie \u00fcberredet, ihr Geld, das aus dem Verkauf eines Familiengrundst\u00fccks in Bernburg stammt, in den Kauf des Objektes Theaterstra\u00dfe 11 zu investieren. Das war im Jahr 1996.<\/p>\n<p>Damals bekam man solche Grundst\u00fccke leider noch nicht f\u00fcr wenige Tausend Euro, weil man im Allgemeinen noch an einen gro\u00dfen Immobilienhype in den neuen Bundesl\u00e4ndern glaubte. Wir bezahlten also an den Besitzer Herrn Hans-Dietrich Eggert aus Bremen den Kaufpreis von 131.000 DM. Dieser wollte das Haus zun\u00e4chst abrei\u00dfen lassen, um neu zu bauen.<\/p>\n<p>H\u00e4tte es damals schon die im \u201eFokus Saale\u201c enthaltene Unwirtschaftlichkeitsklausel gegeben, w\u00fcrde dieses Einzeldenkmal heute vielleicht nicht mehr stehen.<\/p>\n<p>Und unwirtschaftlich ist die denkmalgerechte Erhaltung dieses Geb\u00e4udes auf jeden Fall, denn die komplizierte Geb\u00e4udestruktur (<a href=\"http:\/\/data.music-a-vera.net\/boehlk-blog-konzept-doku-theaterstrasse11\/theaterstrasse.pdf\">siehe Dokumentation<\/a>), die sich hinter der scheinbar so massiven Barockfassade verbirgt, macht das Objekt f\u00fcr jeden Investor, der eine Immobilie vor allem als Geldanlage gebrauchen m\u00f6chte, zum Albtraum. Dem letzten Eigent\u00fcmer war das bewusst und er hatte sich entschieden, entweder zu dem oben genannten Preis zu verkaufen oder das Geb\u00e4ude verfallen zu lassen.<\/p>\n<p>Auch uns war schon nach der ersten Begehung klar, dass man hier nicht entkernen kann. Aber das wollten wir auch nicht. Sicher etwas naiv und von dem Charme dieses Geb\u00e4udes und seiner Geschichte \u00fcberw\u00e4ltigt st\u00fcrzte ich mich in das Abenteuer Theaterstra\u00dfe 11 und zog meine Frau mit hinein.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Stadt Bernburg und der Stiftung Denkmalschutz bei der Erhaltung dieses Geb\u00e4udes m\u00f6chte ich mich ausdr\u00fccklich bedanken. Nur so war es uns m\u00f6glich, den drohenden Einsturz des Haupthauses zu verhindern, das Grundst\u00fcck von ca. 130 Tonnen M\u00fcll zu ber\u00e4umen und auch die \u201eKelterei\u201c auf dem Hof zu erhalten. Wir haben uns stets bem\u00fcht verantwortungsvoll mit den F\u00f6rdermitteln umzugehen (genaue Angaben zur Verwendung der F\u00f6rdermittel findet der Leser in der <a href=\"http:\/\/data.music-a-vera.net\/boehlk-blog-konzept-doku-theaterstrasse11\/theaterstrasse.pdf\">Dokumentation<\/a>).<\/p>\n<p>Die Frage, warum das Geb\u00e4ude 15 Jahre nach dem Kauf immer noch mit einer unsanierten Fassade leer steht, kann beantwortet werden. Nachdem das Verm\u00f6gen meiner Frau in meinen Haustraum geflossen war, verf\u00fcgen wir als ehemalige DDR B\u00fcrger \u00fcber keine weiteren R\u00fccklagen, die sofort in die weitere Sanierung investiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da wir das Geb\u00e4ude im Ganzen (also auch mit seiner inneren Struktur und den Deckenh\u00f6hen) erhalten m\u00fcssen und wollen (<a href=\"http:\/\/data.music-a-vera.net\/boehlk-blog-konzept-doku-theaterstrasse11\/theaterstrasse.pdf\">siehe Dokumentatio<\/a>n), klappt die Refinanzierung \u00fcber Mieter hier nicht. Schnell zu entkernen, um die beim Altbau vorhandenen baulichen und damit finanziellen Risiken auf ein Immobilienkredit-Gef\u00e4lliges Ma\u00df zu reduzieren, wie bei unseren beiden Nachbarh\u00e4usern geschehen, ist also nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Stattdessen wehrt sich das alte Haus, charmant und ausdauernd, mit seiner ganzen \u201eSchiefheit\u201c gegen die moderne Technik. Und genau das ist es, was wir an ihm lieben!<\/p>\n<p>Dennoch wollen wir nat\u00fcrlich gern hier wohnen!<\/p>\n<p>Im Moment sind unsere Schulden auf \u201eKleinkreditniveau\u201c zusammengeschrumpft. Da in Bernburg aufgrund des demographischen Wandels bald mit einer Immobilienblase zu rechnen ist, gehe ich in wenigen Jahren von stark steigenden Kreditzinsen aus. Das finanzielle Abenteuer einer kreditfinanzierten Totalsanierung erscheint uns deshalb zu hoch. Nur kleine Schritte sind verantwortbar. Jeder (schuldenfinanzierte) Euro sollte m\u00f6glichst sinnvoll eingesetzt werden. Nat\u00fcrlich verfolgen wir, schon aufgrund unserer derzeitigen Lebensumst\u00e4nde, immer noch das Ziel in der Theaterstra\u00dfe leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn wir schon Schulden machen m\u00fcssen, dann so gering wie m\u00f6glich, denn wir haben nicht vor, in wenigen Jahren Privatinsolvenz anzumelden. Im Moment versuchen wir deshalb zu ermitteln, wie viel Geld im minimalsten Fall f\u00fcr das Ziel der Bewohnbarmachung des Geb\u00e4udes ben\u00f6tigt wird. Da dies nur \u00fcber ein genaues Aufma\u00df (\u00e4hnlich wie im Schloss in 3d) erfolgen kann, sind wir im Moment dabei das Geb\u00e4ude mit dieser Technik genau zu erfassen.<\/p>\n<p>Auf der Einnahmenseite h\u00e4ngt unsere Entscheidung, sich in Bernburg endg\u00fcltig niederzulassen, von der weiteren Einsch\u00e4tzung der kulturellen Entwicklung der Stadt ab.<\/p>\n<p>Wir sind selbst\u00e4ndig im Bereich der Kultur und Bildung t\u00e4tig und stehen in Konkurrenz zu hochsubventionierten staatlichen Einrichtungen.<\/p>\n<p>Um gute Qualit\u00e4t leisten zu k\u00f6nnen, ist auch die Freude an der Arbeit wichtig und die Hoffnung, dass sich das Engagement, welches \u00fcber die bezahlte Leistung hinausgeht, irgendwann in Form einer h\u00f6heren kulturellen Lebensqualit\u00e4t lohnt.<\/p>\n<p>Deshalb sehe ich meine Initiative \u201eBernburg braucht ein junges Herz\u201c als direkte Investition in unsere Zukunft. Unsere Lebensgrundlage h\u00e4ngt auch davon ab, wie vielen Eltern es wichtig ist, dass ihr Kind aktiv am kulturellen Leben seiner Umgebung teilnimmt. Werte wie ein demokratisches Miteinander, eine unabh\u00e4ngige und selbstbestimmte kulturelle Lebensqualit\u00e4t und eine lebendige und offene Kulturszene bilden die Basis f\u00fcr unsere Existenz.<\/p>\n<p>Eben diese Dinge sind in unserer Stadt keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. F\u00fcr sie muss tagt\u00e4glich und oft ehrenamtlich aktiv gearbeitet werden.<\/p>\n<p>Leider muss ich ihnen deshalb zumuten, die \u201evergammelte\u201c Fassade unseres Hauses in der Theaterstra\u00dfe 11 noch etwas l\u00e4nger zu ertragen und ich\u00a0hoffe die Bernburger mit meinem ehrenamtlichen Engagement und meiner <a title=\"Publikation Stadtgeschichte\" href=\"http:\/\/www.spannungsfeld.ksb-anhalt.de\/Kolloquium_2010\/Publikation.html\" target=\"_blank\">Forschung zur Stadtgeschichte<\/a> etwas entsch\u00e4digt zu haben.\u00a0Wenn wir Geld investieren, dann sicher nicht zuerst in Sch\u00f6heitsreparaturen, auch wenn eine \u201eordentliche\u201c Fassade mit Gardinen an den Fenstern trotz eines leerstehenden Objekts die Gem\u00fcter sicher schnell beruhigen w\u00fcrde.<\/p>\n<h2>Droht in Bernburg eine Immobilienblase?<\/h2>\n<p>Nat\u00fcrlich bin ich kein Immobilienexperte. Deshalb \u00e4u\u00dfere ich hier nur meine subjektive Meinung, die ich mir auf der Basis zahlreicher Gespr\u00e4che in den letzten Wochen gebildet habe.<\/p>\n<p>Scheinbar gibt es in Bernburg eine nicht unerhebliche Zahl von Einfamilienh\u00e4usern, die sich im Besitz von Senioren befinden. Urspr\u00fcnglich waren diese Immobilien oft auch als Investition in die Zukunft der eigenen Familie geplant. Viele Hauseigent\u00fcmer glaubten, dass sie mit ihrem Einfamilienhaus auch einen Platz f\u00fcr zuk\u00fcnftige Generationen ihrer Familie schufen.<\/p>\n<p>Zumindest als Geldanlage f\u00fcr die Altersversorgung sollte das Geb\u00e4ude dienen. Viele Finanzberater haben ja Immobilien als Geldanlagen versprochen, die man im Rentenalter verkaufen k\u00f6nne, um dann seinen Lebensabend finanziell unabh\u00e4ngig gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Leider machen die demographische Entwicklung und die Abwanderung von jungem Menschen auch hier einen Strich durch die Rechnung.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst haben sich die Kinder oder Enkel vieler Hauseigent\u00fcmer in anderen Regionen niedergelassen, dort eine Familie gegr\u00fcndet und oft selbst Hausbesitz erworben.<\/p>\n<p>Eine R\u00fcckkehr in das elterliche Haus ist damit unwahrscheinlich geworden.<\/p>\n<p>Der unproportional hohe Anteil gleichaltriger Hausbesitzer wird deshalb zur Folge haben, dass der Bernburger Immobilienmarkt schon in wenigen Jahren von Verkaufsangeboten \u00fcberschwemmt werden k\u00f6nnte. Die einzelnen H\u00e4user w\u00fcrden dann stark an Wert verlieren.<\/p>\n<p>Damit w\u00fcrde auch der Wert der Sicherheiten f\u00fcr zahlreiche laufende Bank-Finanzierungen zur\u00fcckgehen. Ein Sachverhalt, den die Banken \u00fcber steigende Kreditzinsen regeln.<\/p>\n<p>Deshalb gehe ich in den n\u00e4chsten Jahren von steigenden Kreditzinsen und einer Verschlechterung des allgemeinen Ratings von laufenden Finanzierungen aus.<\/p>\n<p>\u00adDieses Thema bed\u00fcrfte dringend der weiteren fachlichen Untersuchung, um schon jetzt auf seine Konsequenzen reagieren zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum \u201evergammelt\u201c unser Haus in der Theaterstra\u00dfe? Auf der Stadtratssitzung am 23.06.2011 spielte der Zustand unseres Wohnhauses in der Theaterstra\u00dfe 11 eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als der demographische Wandel. 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