Das Haus des Fürsten Wolfgang

Die älteste bekannte Darstellung des Bernburger Schlosses und der "Leuchte". Die vor 1663 entstandene Zeichnung zeigt das Lange Haus vor der Errichtung des Viktor-Amadeus-Baues. Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Marko Kuhn,(Quelle: Ein altes Buch von 1663 (...) No XVI, Inventar-Nr.: W 12 Gb, http://museum.zib.de/sgml_internet/sgml.php?seite=5&fld_0=gr016545) CC BY-NC-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/)
Ein etwas breiterer Pilaster kennzeichnet die Nahtstelle zwischen dem Wolfgang- und dem Erweiterungsbau.
Die historische Fotografie zeigt die ursprüngliche Giebelteilung am Langen Haus vor der "Harmonisierung" in den 1930ger-Jahren. (Quelle: "Das Land Anhalt / aufgenommen von der Staatlichen Bildstelle ; beschrieben von Ludwig Grote", Berlin, Deutscher Kunstverlag, 1929)
Das Foto zeigt vermutlich die Umbausituation zum Zeitpunkt der Auffindung des bauzeitlichen (und heute verschollenen) Hauptportals. (Postkarte Verlag Johannes Courtois, Bernburg, 1935).

Die „Leuchte“ präsentiert sich dem heutigen Betrachter in einer grundlegend gewandelten Gestalt. Knapp 30 Jahre nach seiner Errichtung wurde der ursprünglich knapp 14 m lange, 10,5 m tiefe und ca. 17 m hohe, turmartige „Wolfgangbau“ durch den halleschen Ratsbaumeister Nickel Hoffmann um einen 43-m-Anbau zum „Langen Haus“ erweitert. Hoffmann gilt als ein Baumeister, der sich kongenial in bestehende Architektur einfühlen konnte und dem bei der Weiterführung bestehender Bauwerke die Verbindung von überkommenen und modernen Gliederungs- und Stilelementen gelang.1)Broda 1998, S. 300. Die Harmonisierung der Giebelzone bei der Rekonstruktion in den 1930er-Jahren2)Rüdiger 2008, S. 109 ff. „glättete“ die Südansicht des „Langen Hauses“ weiter. Es fällt daher dem heutigen Betrachter schwer, den ursprünglichen „Wolfgangbau“ von seiner größeren Erweiterung zu unterscheiden. Eine Baunaht und ein etwas breiterer Pilaster kennzeichnen den Übergang.

Andreas Günther oder Nickel Hoffmann: Wer gestaltete die Giebel?
Schloss Forderglauchau Foto: Volkmar Rudolf (Wikipedia) CC BY-SA 3.0 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Glauchau,_Schloß-010.jpg?uselang=de)

Unklar ist derzeit, wie stark Nickel Hoffmann den ursprünglichen Bau der „Leuchte“ veränderte. Einerseits wird angenommen, dass Andreas Günther die Giebelzone einst mit sogenannten „welschen Giebeln“ bekrönte3)Rüdiger 2008, S. 88. , die dann beim späteren Ausbau zum „Langen Haus“ von Nickel Hoffmann zeitgenössisch überformt wurden. Die bauzeitliche Giebelbekrönung der „Leuchte“ dürfte bei dieser Variante der Gestaltung der ebenfalls von Günther errichteten Schlösser Hinter- und Forderglauchau in Glauchau (Freistaat Sachsen) geähnelt haben.

Rathaus Schweinfurt. Foto: Volkmar Rudolf (Wikipedia) CC BY-SA 3.0 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schweinfurt-017.jpg)

Andererseits existiert auch die von Franz Stieler geäußerte Deutung,4)Stieler 1954, S. 40. dass Nickel Hoffmann die Giebelgestaltung Günthers für das gesamte „Lange Haus“ übernommen haben könnte.5)Broda 1998, S. 222. Diese Annahme erscheint aber weniger wahrscheinlich.6)Neugebauer 2011, S. 130. Interessant ist eine gewisse Ähnlichkeit der Gestaltung der oberen Abschnitte der Bernburger Ecktürme zum Turmerker des kurz nach dem Bauauftrag in Bernburg von Hoffmann errichteten Schweinfurter Rathauses. Auch dort ist das polygonale Turmoberteil mit kleinen runden Öffnungen (Oculi) versehen.7)Wagener 2009.

Fußnoten   [ + ]

1. Broda 1998, S. 300.
2. Rüdiger 2008, S. 109 ff.
3. Rüdiger 2008, S. 88.
4. Stieler 1954, S. 40.
5. Broda 1998, S. 222.
6. Neugebauer 2011, S. 130.
7. Wagener 2009.