Der Waldauer Königshof im Spiegel neuer Erkenntnisse zu fränkischen Verteidigungsanlagen

Der Bernburger Stadtteil Waldau spielte scheinbar bei der Entstehung der hochmittelalterlichen Stadt Bernburg eine erheblich größere Rolle als bisher angenommen wurde. Hier befand sich der westliche der beiden für die spiegelbildliche Gestalt des Bernburger Stadtgrundrisses verantwortlichen frühmittelalterlichen Spannungspole.
Der Kern dieses „Kraftfeldes“ kann in dem in Waldau mit hoher Wahrscheinlichkeit vermuteten Königshof lokalisiert werden, der offensichtlich bereits im 10. Jh. als Gernröder Klosterhof weitergeführt wurde. Das Vorhandensein einer Martinskapelle in diesem Hof und einer Stephanskirche in der dazugehörigen Siedlung lässt den Schluss zu, dass diese Anlage bereits auf fränkische Ursprünge zurückgeht1)Neuss, Erich (1969): Die Gründung des Erzbistums Magdeburg und die Anfänge des Christentums im erzstiftischen Südterritorium (Saalkreis). In: Franz Schrader (Hg.): Beiträge zur Geschichte des Erzbistums Magdeburg. Leipzig: St.-Benno-Verl. (Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte, 11), S. 46.

Zusätzlich gestützt wird diese Vermutung, wenn man die im „Chronicon Moissiacense“ und im „Chronicon Anianense“ genannte Ortsbezeichnung „uualadala“ auf das Bernburger Waldau bezieht. Dann hätte im Jahr 806 die gesamte Feldzugskampagne der Franken gegen die slawischen Stämme östlich der Saale mit einem „conuentum magnum“ (Chronicon Anianense), einer großen (Heeres)Versammlung oder auch Heerschau begonnen, die Karl der Jüngere, der Sohn Karls des Großen hier abhielt, nachdem er über Thüringen herangezogen war2)Kettemann, Walter (2000): Subsidia Anianensia. Duisburg, 2000. Online verfügbar unter http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-19910/Kettemann_Diss.pdf  S. Beilage 2, S. 109.

Moissac, Kreuzgang der Abtei (Quelle: Wikipedia, Autor: Benutzer Membeth, public domain)

Die in den Schilderungen benutzte Ortsangabe „locum qui uocatur uualadala“ ist allgemein gehalten und lässt keine Rückschlüsse über die dort vorhandene Infrastruktur zu3)Schütte, Bernd (2007): Quellenkritische Untersuchungen zur Ersterwähnung von Halle/S, im Jahre 806., S. 24.

Wasserwege besaßen scheinbar für die Franken eine erhebliche Bedeutung beim Transport von militärischem Material4)Ettel (2005): S. 139. Es wäre deshalb durchaus möglich, dass die Saale als Weg für den Anmarsch des fränkischen Kernverbandes genutzt wurde, wie es vorher vielleicht schon die Römer auf ihrem Zug an die Elbe taten 5)Springer, Matthias (2009): Zwischen (H)Ermunduren und Thüringern besteht kein Zusammenhang, 01.01.2009, S. 153.
Dann könnte der Zwischenstopp in „uualadala“ dazu gedient haben, das Heer vom wassergestützten „Marschmodus“ in den landgestützten „Operations-Modus“ in feindlichem Gelände umzurüsten.

Aus einem Gestellungs- und Mobilisierungsbefehl von Kaiser Karl an Fulrad, den Abt des Klosters Niederalteich bei Regensburg, erfahren wir, dass die von ihm befehligten Mannschaften mitbringen sollten: „Waffen, Werkzeug und übriges Gerät, Verpflegung und Bekleidung (cum armis atque utensilibus nec non et cetero instrumento bellico, victualibus et vestimentis) […]“, sodass jeder Reiter verfügbar habe: „[…] Schild, Lanze, Lang- und Kurzschwert, Bogen mit Köcher und Pfeilen“.

Typische Bewaffnung eines fränkischen Fürsten der Merowingerzeit mit Spatha, Sax, Franziska, Spangenhelm, Lanzenspitze und Schildbuckel, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Quelle: Wikipedia, Autor: Benutzer Altaipanther, public domain)

Auf Wagen (carri) sollten auch Werkzeuge mitgeführt werden wie: „Äxte, Hobel, Bohrer, Beile, Hacken, eiserne Spaten und das übrige Gerät, das dem Angriff dienlich ist. Diese Werkzeuge wurden auf drei Monate, die Waffen und die Bekleidung auf ein halbes Jahr berechnet6)Tautscher, Anton (1974): Wirtschaftsgeschichte Österreichs auf der Grundlage abendländischer Kulturgeschichte. Berlin: Duncker und Humblot (Tautscher 1974, S. 99–100),7)Peucker, Eduard von (1860): Das deutsche Kriegswesen der Urzeiten in seinen Verbindungen und Wechselwirkungen mit dem gleichzeitigen Staats- und Volksleben. Berlin: Decker S. 186“.

Karolingische Reiterei Psalterium Aureum, St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 22, saec. IXex, S. 140 – als Illustration zu Ps 60 (Feldzug des Joab); Handschrift des 9. Jahrhunderts (Quelle: Wikipedia, Autor: Technische Bearbeitung Benutzer wolpertinger, public domain)

Anton Tautscher datierte diesen Aufruf in das Jahr 802 und somit in die letzte Phase der Sachsenkriege. Der Marsch sollte „infra Saxoniam in Orientali parie, super fluoium Rota (Bota) in loco qui dicitur Starasfurt“ führen 8)von Peucker (1860): S. 186, womit Staßfurt gemeint sein dürfte, welches somit in diesem Jahr sein 1210-jähriges Jubiläum feiern könnte.

Neben den detailliert genannten Ausrüstungsgenständen können wir dem Text entnehmen, dass die Beförderung des Materials auf „carri“ erfolgte. Das heißt aber nicht, dass nicht für den Antransport der schweren Ausrüstung der Wasserweg benutzt wurde. Die schon bei den Römern bekannten flachbodigen Lastkähne erlaubten das schnelle Beladen mit Landfahrzeugen, ähnlich wie bei den heutigen Fluss-Autofähren. Die mitgebrachten Wagen dienten wohl eher dazu, das offensichtlich für den Bau von Holz-Erde-Befestigungsanlagen benötigte Werkzeug auch während des Angriffes in der Nähe der Reiter halten zu können.

Modell (vorne) und Originalfundstück (hinten rechts) eines römischen Lastkahns (Plattbodenschiff, Prahm) aus dem 1. Jahrhundert. (Quelle: Wikipedia Urheber: Martin Baumann Lizenz: cc-by-sa Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)

Diese interessante Quelle beschreibt hervorragend die Ausstattung und Taktik der aus großer Entfernung (aus der Gegend um Regensburg) nach Staßfurt herangeführten fränkischen Kerntruppe, nur wenige Jahre vor dem Waldauer Feldzug.

Die genannte Einheit bestand wohl vor allem aus schwerbewaffneten Reitern. Man war aber, dank des mitgeführten Werkzeuges, auch jederzeit in der Lage, Befestigungen zu errichten.

Die Dauer dieser Militäraktion wird mit einer Kernaktivität von drei Monaten und einer Bauphase für Befestigungen, welche ein halbes Jahr dauert, angegeben.

Der von Waldau ausgehende fränkische Vorstoß im Jahr 806 wird als erste große Handlung des Sorbenfeldzuges sicher mit besonderer Massivität erfolgt sein. Bedeutsam ist auch, dass sich das Heer von Waldau aus teilte: Während einige (Reiter?)Scharen (manche Autoren halten die in diesem Zusammenhang genannten „scarae“ auch für besondere Spezialeinheiten9)Siehe zu „scara“ auch Bachrach, Bernard S. (2001): Early Carolingian warfare. Prelude to empire. Philadelphia, Pa: Univ. of Pennsylvania Press (The Middle Ages series). S. 80-82) über die Elbe hinaus geschickt wurden, wandte sich Karl der Jüngere mit der Hauptmacht gegen das Hinterland des unteren östlichen Saaleufers. Dies ist wiederum ein Hinweis, dass die Anzahl der in Waldau versammelten Kämpfer als nicht zu gering erachtet werden muss.

Die Wirkung des fränkischen Heeres beschreibt eindrucksvoll ein Auszug aus dem 883 entstandenen Werk „Gesta Karoli Magni“ des Notker I. von St. Gallen mit sicher literarisch übersteigerten aber im Kern doch authentischen Worten: „König Desiderius nebst der zu ihm geflohene fränkische dux Autchar beobachteten von einen hohen Turme aus die Ankunft des riesigen fränkischen Heeres. Sie sahen den Troß, das Aufgebot der Völker, die Palastgarde, Bischöfe und Äbte. Schließlich erschien der ‚eiserne Karl‘ selbst, mit Panzer, Beinschienen, Lanze und Schwert. Das Eisen füllte die ganze Ebene aus und warf den Glanz der Sonne zurück. Überall sah man Eisen, und wegen dieses Eisens erzitterten die Mauern und der Mut der Jungen, selbst der Rat der Alten verging vor all diesem Eisen.10)Quelle: Wikipedia – http://de.wikipedia.org/wiki/Panzerreiter

Aus praktischen Gründen kamen die Teilnehmer der Militäraktion sicher nicht nur Personen infrage, die über große Strecken heranmarschiert waren. Vielmehr ist davon auszugehen, dass eine berittene fränkische Kern- und Führungsmannschaft in Waldau mit Hilfstruppen aus dem nördlichen Harzvorland verstärkt wurde. Quellen berichten davon, dass neben Sachsen und anderen Germanen sogar auch Slawen unter fränkischem Oberbefehl standen11)Henning, Joachim (2011): Das Kastell contra Magadaburg von 806 AD und die karolingischen Kastelle an der Elbe-Saale-Grenze. Ausgrabungen auf dem Weinberg von Hohenwarthe. Frankfurt am Main. In: Archäologie in Sachsen-Anhalt, 2011 (Sonderband 16), S. 142–143.

Frühmittelalterliche Befestigungen um Bernburg. Karte: Olaf Böhlk, Kartendaten: © OpenStreetMap cc-by-sa

Auch wenn die eintreffenden Krieger angehalten waren, ihre Ausrüstung selbst mitzubringen (siehe oben) muss in diesem Zusammenhang sicher das Material der neu zum Heer Hinzugekommenen geprüft und ergänzt werden, vielleicht auch mit Dingen, welche zuvor in Waldau und seiner Umgebung hergestellt oder gelagert wurden.
In diesem Zusammenhang ist natürlich auch das Vorhandensein eines weiteren mutmaßlich fränkischen Königshofes, der „villa Aderstede12)Grimm, Paul (1958): Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg. Berlin: Akad.-Verl. (Handbuch vor- und frühgeschichtlicher Wall- und Wehranlagen, 1) S. 201“, im nur drei Kilometer flussaufwärts liegenden Aderstedt und auch das 12 Kilometer westlich liegende und oben bereits erwähnte „Starasfurt“ von großer Bedeutung.

Die verbündeten lokalen Kontingente wurden sicher nach ihren Fähigkeiten in die bestehende Mannschaft integriert. Dazu war auch eine gewisse Organisation notwendig, die Zeit in Anspruch nahm.

Eine große Zahl von Menschen musste also über einen gewissen Zeitraum untergebracht, versorgt und vor Angriffen des Gegners geschützt werden. Waldau bot dafür scheinbar mit seinem von Thüringern besiedelten und wohl schon zuvor in Teilen christianisiertem westlichen Hinterland und den dort vorherrschenden fruchtbaren Böden gute Voraussetzungen. Auch später spielte das westliche Saaleufer bei Bernburg immer wieder eine wichtige Rolle als Aufenthaltsort für Heere: 993 sammelte Otto III. vermutlich bei Nienburg sein Heer für den Zug nach der Brandenburg 13)Assing, Helmut (1993): Die Rätsel der ersten Potsdamer Urkunde. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte (44), S. 19, Jahrhunderte später, im 30-jährigen Krieg, diente das Waldauer Hinterland als Aufenthaltsort des kaiserlichen Heeres und noch in der jüngsten Vergangenheit wurde ein Teil Waldaus als sowjetische Garnison genutzt.

Als Schutz vor Präventivschlägen der Gegenseite wird der Ort der Vorbereitung des Kriegszuges durch eine Verteidigungsanlage gesichert worden sein, auch wenn diese vielleicht nur temporär bestand.

Archäologische Untersuchungen der letzten Jahre erhellten an verschiedenen Beispielen strategische Gewohnheiten beim Aufbau dieser fränkischer Militäranlagen.

Für die Beurteilung der Situation in Waldau ist besonders die Erkenntnis brisant, dass sich fränkische Verteidigungseinrichtungen scheinbar oft in dominanten Höhenlagen befanden, wie jüngst bei der Untersuchung der beiden Kastelle in und gegenüber Magdeburg bestätigt werden konnte14)Henning (2011): S. 133–144.

Nun trifft diese Lagepräferenz aber für den Ort des Waldauer Königshofes nicht zu, da sich jener, gemeinsam mit der gesamten Ortslage Waldau, zwar auf dem erhöhten Saaleufer, aber keineswegs auf einer dominanten Bergkuppe befindet.

Königshöfe, Befestigungen und Grabenwerke um Bernburg Karte: Olaf Böhlk, Kartendaten: © OpenStreetMap cc-by-sa

Hier ist die Frage nach einer Differenzierung einzelner Funktionsbereiche im frühmittelalterlichen Waldau zu stellen. Interessante Hinweise ergeben sich dazu aus der Untersuchung einer zwar weitaus bedeutenderen aber topografisch mit der Lage Waldaus durchaus vergleichbaren Anlage im Stadtgebiet des heutigen mainfränkischen Ortes Karlstadt.

Dort dokumentierte eine großangelegte Grabungskampagne die räumliche Gliederung eines großen fränkischen Königshofes, der „villa Karloburg“15)Ettel, Peter (2005): Karlburg und der überregionale Güteraustausch im karolingischen Reich, S. 139–151.

Interessant ist, dass sich auch in Karlstadt die fränkische „villa“ entlang der Kante einer hochwasserfreien Terrasse, westlich des Flusses erstreckte und von einer in einer Furt das Maintal querenden Straße durchzogen wurde.

Das Karlburger Tal. ( Quelle: Wikipedia Urheber: Benutzer Gerdt, UlrichAAB Lizenz: cc-by-sa V 3.0 Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)

Die Nähe zum Fluss erklärt sich durch die Bedeutung des Wasserweges Main für den Transport von Waren und Militärgütern. Ein Binnenhafen konnte nachgewiesen werden.
Die Anlage des Königshofes Karlburg gliederte sich in einen Kernbereich mit Marienkloster, Handwerkerviertel und Wohnsiedlung mit landwirtschaftlicher Nutzung.
Oberhalb des Königshofes, auf einer dominanten Höhe westlich des Flusses, lag ein Kastell, welches den militärischen Schutz der Talsiedlung übernahm. Diese Burg befand sich an einer Hangkante, die die Befestigung an der Talseite bildete. Ein viertelkreisförmiger Abschnittswall grenzte das Burgplateau vom restlichen Berg ab.

Südlich, unterhalb des Kastells gab es eine weitere Furt über den Main und nördlich, auf einer etwa 3 km stromabwärts auf dem gegenüberliegenden, hochgelegenen östlichen Mainufer gelegen, eine weitere fränkische Befestigungsanlage.

Maßstäblicher Vergleich des Königshofes in Karlburg (Main) (links) mit der Situation in Bernburg. Karte Olaf Böhlk, Kartendaten: © OpenStreetMap cc-by-sa

Die Ähnlichkeiten zu Waldau reichen aber noch weiter, denn die fränkische Siedlung am Königshof Karlburg wurde – wie Waldau – größtenteils zur Wüstung. Sie verlor ihre vorherrschende Stellung zugunsten einer gotischen Stadtgründung des Hochmittelalters auf der gegenüberliegenden östlichen Mainseite, dem heutigen Karlstadt.

Halbkreisförmige Abschnittsgräben und die Höhenlage an einer Hangkante kennzeichnen auch die beiden Kastelle in und gegenüber Magdeburg (Domplatz und Hohenwarthe-Kastell).

Größenvergleich einiger fränkischer Verteidigungsanlagen mit dem Grabenwerk auf dem Bernburger Tanzplan. Die Anlagen wurden jeweils an der Hangkante ausgerichtet. Grafik: Olaf Böhlk

Als ein weiteres Merkmal fränkischer Erdwerke unserer Gegend konnten hier gestaffelte Spitzgrabensysteme nachgewiesen werden, die zumindest als Doppelgraben ausgeführt waren16)Henning (2011): S. 142.

Lage der beiden fränkischen Befestigungsanlagen (Domfelsen im Westen, Kastell Hohenwarthe im Osten) in Magdeburg. Kartendaten: © OpenStreetMap cc-by-sa

Wie schon bei den beiden beidseitig des Flusses liegenden fränkischen Kastell-Anlagen bei Karlburg liegt die östliche Befestigung auch bei Magdeburg etwas flussabwärts.
Prof. Dr. Henning, der Ausgräber des Hohenwarthe-Kastells bei Magdeburg weist bezüglich dieser Lage auf die Einbeziehung der Stromrichtung in die strategische Konzeption von beidseitig von Flüssen gelegenen Verteilungsbauten hin: Da eine geradlinige Überquerung eines Stromes mit einem Boot bei Hochwasser fast unmöglich ist, war es sinnvoll, die gegenüberliegende Befestigungsanlage etwas weiter stromabwärts zu errichten17)Henning (2011): S. 140.

Beidseitig von Flüssen errichtete Burganlagen sollten nicht nur als „Grenzbefestigungen“ verstanden werden. Sie dienten bei der Bedeutung der Wasser- und sie im Talgrund begleitenden Landwege auch als wichtige Verkehrssicherungsanlagen.

Rekonstruktion historischer Saaleläufe anhand von Bodenuntersuchungen in der "Großen Aue" unterhalb Bernburgs nach Friedrich Kalle (1926), Kartengrafik: Olaf Böhlk

Vor dem Hintergrund der archäologischen Erkenntnisse von den fränkischen Stützpunkten in Karlburg und Magdeburg erscheint auch die frühmittelalterliche Lage in Bernburg in einem neuen Licht.

Das Luftbild zeigt das Grabenwerk auf dem Bernburger Tanzplan. Das Pflanzenwachstum (hier Zuckerrüben) reagiert auf Störungen im Boden und den daraus resultierenden Feuchteunterschieden und zeichnet somit verborgene Strukturen im Luftbild ab. Foto: © Steffen Mainka,http://www.fotofliegen.de  

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Zusätzlich zum bereits lokalisierten Königshof müsste in Zukunft nach der ihn am Flussufer begleitenden Siedlung (auch mit slawischen 18)Henning (2011): S. 135 Funden) und vor allem nach einem den Königshof schützenden Kastell auf einer dominanten Höhe gesucht werden. Ihm gegenüber, etwas stromabwärts und ebenfalls in Höhenlage kann eine korrespondierende Verteilungsanlage auf dem östlichen Flussufer vermutet werden.

In diesem Zusammenhang ergeben sich neue Fragestellungen zur Funktion des großen halbkreisförmigen Grabenwerkes auf dem Tanzplan am Keßlerturm.

Lassen wir uns von zukünftigen archäologischen Grabungen überraschen!

Weiterlesen

Literatur

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Fußnoten   [ + ]

1. Neuss, Erich (1969): Die Gründung des Erzbistums Magdeburg und die Anfänge des Christentums im erzstiftischen Südterritorium (Saalkreis). In: Franz Schrader (Hg.): Beiträge zur Geschichte des Erzbistums Magdeburg. Leipzig: St.-Benno-Verl. (Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte, 11), S. 46
2. Kettemann, Walter (2000): Subsidia Anianensia. Duisburg, 2000. Online verfügbar unter http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-19910/Kettemann_Diss.pdf  S. Beilage 2, S. 109
3. Schütte, Bernd (2007): Quellenkritische Untersuchungen zur Ersterwähnung von Halle/S, im Jahre 806., S. 24
4. Ettel (2005): S. 139
5. Springer, Matthias (2009): Zwischen (H)Ermunduren und Thüringern besteht kein Zusammenhang, 01.01.2009, S. 153
6. Tautscher, Anton (1974): Wirtschaftsgeschichte Österreichs auf der Grundlage abendländischer Kulturgeschichte. Berlin: Duncker und Humblot (Tautscher 1974, S. 99–100)
7. Peucker, Eduard von (1860): Das deutsche Kriegswesen der Urzeiten in seinen Verbindungen und Wechselwirkungen mit dem gleichzeitigen Staats- und Volksleben. Berlin: Decker S. 186
8. von Peucker (1860): S. 186
9. Siehe zu „scara“ auch Bachrach, Bernard S. (2001): Early Carolingian warfare. Prelude to empire. Philadelphia, Pa: Univ. of Pennsylvania Press (The Middle Ages series). S. 80-82
10. Quelle: Wikipedia – http://de.wikipedia.org/wiki/Panzerreiter
11. Henning, Joachim (2011): Das Kastell contra Magadaburg von 806 AD und die karolingischen Kastelle an der Elbe-Saale-Grenze. Ausgrabungen auf dem Weinberg von Hohenwarthe. Frankfurt am Main. In: Archäologie in Sachsen-Anhalt, 2011 (Sonderband 16), S. 142–143
12. Grimm, Paul (1958): Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg. Berlin: Akad.-Verl. (Handbuch vor- und frühgeschichtlicher Wall- und Wehranlagen, 1) S. 201
13. Assing, Helmut (1993): Die Rätsel der ersten Potsdamer Urkunde. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte (44), S. 19
14. Henning (2011): S. 133–144
15. Ettel, Peter (2005): Karlburg und der überregionale Güteraustausch im karolingischen Reich, S. 139–151
16. Henning (2011): S. 142
17. Henning (2011): S. 140
18. Henning (2011): S. 135